Perspektiven

Perspektiven: Die aussergewöhnlichen Geschehnisse der letzten Monate (11.Sept.) hier und in der Welt haben bei vielen von uns spürbare Wellen im Bewusstsein erzeugt. Wir wurden einmal mehr an die Unbeständigkeit der von uns wahrgenommenen Realität erinnert.

Eine Zeit lang erwachte das betäubte Bewusstsein der ganzen Welt und nahm Anteil, doch dann, wie immer, kehrte ein guter Prozentsatz der Menschheit in seinen unruhigen Schlaf zurück.

Überwältigt vom Steinhagel des weit gehenden Unsinns, welcher heutzutage als „Nachrichten“ verbreitet wird, stumpft die Aufnahmebereitschaft schnell ab. Die aus ihrem Zusammenhang gerissenen Ereignisse purzeln durch die Sinnesorgane in ein Gemüt, welches von noch unverdauten Eindrücken vorangegangener Ereignisse aufgedunsen ist.

Die Menge und das Tempo der von Körper und Geist innerhalb eines „normalen“ Lebens wahrgenommen Ereignisse hätte in der Vergangenheit mehrere Lebenszyklen umspannt. Die in unserer Zeit übliche Aufnahme der vielen Bruchstücke durch die Sinnesorgane kann leicht zu einer Überladung des Geistes führen. Wenn dies geschieht, überträgt mancher aus lauter Selbstschutz seine Aufmerksamkeit auf ein anderes Objekt und verliert sich darin. Andere stellen einfach ab.

Oder der Geist reagiert mit einem „Aufruf zur Tat“. Energien werden darauf gerichtet, dass „etwas getan wird“. Auch wenn eine Idee noch so nobel sein mag, ihre Ausführung ist meistens mangelhaft. Mangelhaft deshalb, weil die Idee und die Ausführung der Idee den gleichen Denk- und Handlungsmustern entspringen, die das Problem überhaupt erst hervorgebracht und genährt haben.

Andere fühlen ein grosses Unbehagen im Gemüt. In einem Bewusstsein, das mehr Erfahrungen hat mit der weltweiten Verbundenheit aller Geschehnisse, Dinge und Lebewesen, tauchen viele Fragen auf. Fragen, die im gegenwärtigen Bewusstsein keine Antwort finden. Ohne Antworten verflüchtigt sich der „Aufruf zur Tat“ sehr schnell. Dann wandelt sich das grosse Unbehagen (un-ease) leicht in eine Krankheit (dis-ease).

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Wohin führt dies uns? In Verleugnung und Depression? In rasenden körperlichen oder geistigen Aktivismus? In das grosse Unbehagen? Ja, wahrscheinlich, es sei denn, man besinnt sich auf die Wurzeln des eigenen geistigen Weges und beginnt, die Fragen von dort aus zu stellen. Eine echte geistige Praxis, welcher Art auch immer, bietet einen Schlüssel zum Verstehen. Wenn man versteht, verschwinden viele Fragen, die einem vorher wichtig schienen. So verschwindet z. B. die Frage, ob ein Apfel süss schmeckt, sobald man den Apfel gekostet hat. Wenn man die Frage wie der Apfel schmeckt stellt, bevor man ihn gekostet hat, nennt man es Unwissenheit. Unwissenheit ist akzeptabel. Dieselbe Frage zu stellen (ist der Apfel süss?), nachdem man ihn gekostet hat, nennt man Dummheit.

Diese Überlegungen treffen auch zu für die Fragen zum gegenwärtigen Zustand der Welt. Die meisten Fragen finden keine wahre Antwort, bis man die Unwissenheit bis zu einem gewissen Grad überwunden hat. Dann allerdings hören sie zu existieren auf, denn nun versteht man.

Wir erfahren zur Zeit das Beste und das Schlechteste, was der menschliche, bewusste Geist zu bieten hat. Und wenn man die Menschheitsgeschichte ein wenig studiert, stellt man fest, dass sich nicht viel verändert hat. Wir sind heute genau so gewalttätig wie in vergangenen Zeiten, nur wird uns dies vom TV heutzutage live vor Augen geführt und dauernd ins Gedächtnis gerufen. Es sollte jedem „denkenden“ Menschen einleuchten, dass die Art und Weise, mit welcher wir bisher handelten, zu nichts führt. Es wird nie zu etwas führen, so lange wir unsere Existenz aus einer dualen Körper-Geist- bzw. materiellen Perspektive betrachten. Vor allem die westliche Gesellschaft ist mehr oder weniger dem Kult der Materie (Körper/Geist) verpflichtet und wird deshalb keine anhaltenden Lösungen für die anstehenden Probleme finden.

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Solange eine Gesellschaft am materiellen Standpunkt von Körper und Geist festhält, sind alle vorgeschlagenen Lösungen auch materieller Natur. Es kann gar nicht anders sein. Denn alle Lösungsvorschläge sind durch die gegenwärtigen Konzepte im Bewusstsein der Menschen begrenzt. Wir sprechen hier von Konzepten wie Liebe – Hass, Frieden – Krieg, Mann – Frau, Glück, Gott, Mensch. Man frage sich einmal, wie oft man seine Ansicht in Bezug auf „Liebe – Hass“ im Laufe einer „Beziehung“ schon gewechselt hat. Oder wie oft hat sich in letzter Zeit die Bedeutung der Worte und „Krieg –Frieden“ für einen verändert, während man die „neusten“ Nachrichten gehört hat? Wie könnte also irgend jemand auf der Basis des unsicheren Bodens mentaler Konstrukte eine anhaltende Lösung finden? Vielleicht ist es Zeit für eine Änderung der Perspektive.

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