- Wochenretreat 2025, Nonstop Zen – Nonstop Praxis
- Wochenretreat 2024, Das Wirken der universalen Natur
- Wochenretreat 2023, Grundlegende Aspekte der Zen-Praxis im Alltag
- Wochenretreat 2021, Praxis in schwierigen Zeiten
Hier finden sich die Dharma-Vorträge, die Agetsu Kudo Wydler Haduch während der jährlichen Meditationswochen gehalten hat. Jede Woche ist eine in sich geschlossene Reise – mit einem Leitthema, das sich von Tag zu Tag entfaltet. Die Vorträge werden in chronologischer Reihenfolge publiziert, beginnend mit der jüngsten Woche.
Vorträge in Meditationswochen
Wochenretreat 2025, Nonstop Zen – Nonstop Praxis
Was bedeutet es, Zen nicht auf das Sitzkissen zu beschränken, sondern in jeden Augenblick des Tages zu tragen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Meditationswoche 2025. Ausgehend vom Motto «Nonstop Zen – Nonstop Praxis» entfaltete sich die Woche als eine Einladung, das Curriculum der Zen-Schule nicht als Lehrplan, sondern als gelebte Wirklichkeit zu verstehen. Tag für Tag wurde deutlicher: Praxis ist keine Tätigkeit, die man ab und zu vollzieht. Es ist eine Haltung, die sich auf alle Tätigkeiten auswirkt und kein Ende hat. Die Vorträge dieser Woche sollten der Reihe nach gelesen werden, jeder baut auf dem vorherigen auf.
1. Tag: Nonstop-Zen – Nonstop-Praxis
In traditionellen Zendos werden vor einem Teishō (formeller Dharma‑Vortrag) stets folgende Worte gesprochen: „Dem Dharma, geheimnisvoll und unvergleichlich, ist selten zu begegnen. Wir können es jetzt sehen, hören und erfahren. Mögen wir die wahre Bedeutung des Tathāgata erfassen.“ — Es ist alles andere als selbstverständlich, dass Menschen in dieser Welt die von Buddha dargelegten Erkenntnisse über die Wirklichkeit unseres Daseins nicht nur hören, sondern unmittelbar erfahren können.
2.Tag: Das Curriculum der Zen-Schule
Ein Curriculum umfasst in der Regel die Ziele, Inhalte, Methoden, die für die Ausbildung von Schülern oder Studenten festgelegt sind. Heute möchte ich etwas dazu sagen in Bezug auf die geistige Schulung des Zen-Buddhismus.
3. Tag: Jeder Tag ist ein neuer Tag
Jeder Tag ist ein neuer Tag. Heute scheint die Sonne, die gestrigen Regenwolken haben sich verzogen. Auch in unseren Köpfen oder Gemütern ist es schon etwas klarer, als noch vor zwei Tagen. Vielleicht denken jetzt einige oder alle: «Nein, bei mir ist es kein bisschen ruhiger im Kopf. Noch immer ziehen dauernd Gedanken vorbei.»
4. Tag: Eigene Kraft und andere Kraft
Seit drei Tagen konzentrieren wir unser Denken und Handeln vollkommen auf das bewusste Dasein im Hier und Jetzt und auf die Sitzmeditation. Für unseren normalerweise zerstreuten Geist mag dies recht anstrengend sein. Im Folgenden möchte ich zeigen, dass diese Anstrengung der eigenen Körper- und Geisteskraft nur ein Aspekt der geistigen Suche ist. Parallel zu unserem Bemühen wirkt nämlich in den tieferen Schichten des Bewusstseins auch eine andere Kraft und zwar die Kraft der Erkenntnis des ursprünglichen klaren Geistes
5. Tag: Zwischenhalt und Fragen zur Praxis
Heute ist der 5. Tag unserer diesjährigen Dharmareise. Es ist höchste Zeit für einen Boxenstopp und die Konsolidierung unserer Non-stop-Praxis. Bei dieser Gelegenheit sind auch Fragen willkommen.
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Wochenretreat 2024, Das Wirken der universalen Natur
Wie kommt es, dass wir überhaupt hier sind, auf diesem Weg, in dieser Gemeinschaft, in diesem Leben? Die Meditationswoche 2024 begann mit dieser Frage und öffnete damit einen Raum, der weit über das persönliche «Warum» hinausgeht. Das Thema der Woche, das Wirken der universalen Natur und die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins, entfaltete sich durch Betrachtungen über Zufall und Kausalität, über das Anhalten inmitten des Alltags, über den ewigen Kreislauf des Samsara und die stille Kraft der Selbstreinigung des Geistes. Am letzten Tag stand die Frage im Raum: Wie kehrt man zurück, ohne das Wesentliche zu verlieren? Diese Vorträge bilden eine zusammenhängende Reise. Sie möchten als Ganzes gelesen werden.
1. Tag: Wie alles zusammenwirkt
Wieder haben wir uns für eine Meditationswoche zusammengefunden. Und wie immer frage ich: Warum, wozu sind wir hier? Wie kommt es, dass Leute ihr Zuhause verlassen, auf Ferien am Meer oder in den Bergen verzichten, um eine ganze Woche lang zu schweigen und zu meditieren?
2. Tag: Ist alles bloss Zufall?
Gestern stellten wir die Frage, was uns hierher geführt hat. Dabei ging es nicht so sehr um das „Warum“, sondern um das Zusammenspiel von Umständen, das uns im Laufe unseres Lebens auf diesen Weg brachte.
3. Tag: Anhalten und Aussteigen
Die meisten Fragen, die mir im Vorfeld zu diesem Retreat zugestellt wurden und die ich auch sonst oft zu hören bekomme, betreffen eine gefühlte Spannung zwischen der Meditationspraxis in einem stillen Setting und der Hektik im Lärm des alltäglichen Lebens. Zum Beispiel: „Wie kann ich die Ruhe und Sammlung der Meditation im Alltag beibehalten?“
4. Tag: Der ewige Kreislauf
Der gestrige Vortrag handelte von der Notwendigkeit, unsere mentale und emotionale Raserei regelmässig anzuhalten und «auszusteigen». Wenn man das nicht tut, kommen Körper und Geist nie zur Ruhe. Heute möchte ich an das Gehörte anknüpfen und das Thema «Aussteigen» etwas weiter führen.
5. Tag: Die Selbstreinigung des Geistes
Die Halbzeit unseres Retreats ist überschritten. Zeit, uns erneut zu fragen: Wo stehen wir? Was haben wir bisher erfahren und was möchten wir vertiefen und festigen, bevor wir wieder in unseren Alltag zurückkehren?
6. Tag: Rückkehr in die Welt
Wie gestern angesprochen, ist es von Vorteil, wenn man bei der «Rückkehr in die Welt» auf einige Stolpersteine und Fallgruben gefasst ist. Ich will deshalb noch einmal darauf zurückkommen und etwas tiefer darauf eingehen, besonders für diejenigen, die so eine Woche zum ersten Mal erlebt haben.
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Wochenretreat 2023, Grundlegende Aspekte der Zen-Praxis im Alltag
Worum geht es eigentlich? Diese schlichte Frage eröffnete die Meditationswoche 2023, und zog sich wie ein roter Faden durch alle sechs Tage. Von der ersten Selbstbefragung bis zur grossen Stille, vom Blick in den Vulkan bis zur stillen Erkenntnis der Intuition: Die Woche baute Schicht um Schicht ein Verständnis auf, das sich nicht aus Büchern lernen lässt. Der letzte Vortrag, «Variationen der gleichen Musik», fasst zusammen, was alle Dharma-Vorträge gemeinsam haben: Es ist immer dasselbe und es ist jedes Mal neu. Dese Vorträge bauen auf einander auf und sollten deshalb der Reihe nach gelesen werden.
1. Tag: Worum es geht
Wir haben uns aus dem Alltag herausgenommen, haben die Sommerferien unterbrochen oder unsere Angehörigen und täglichen Verpflichtungen verlassen – für eine ganze Woche. Die erste Frage, die ich heute, am ersten Tag, stelle, lautet: „Warum tun wir das? Warum seid ihr hier?“
2. Tag: Selbstbefragung
Selbstbefragung ist ein unverzichtbares Werkzeug auf dem Weg der Bewusstwerdung und der Zen-Praxis. Und gestern haben wir uns die Frage gestellt: “Wo bin ich eigentlich?” Wir haben aber festgestellt, dass sich diese Frage gar nicht so einfach beantworten lässt.
3. Tag: Die grosse Stille
In den letzten zwei Tagen haben wir begonnen, den Boden für eine solide Meditationspraxis zu bereiten. Heute geht es um die große Stille. Um sie zu erfahren, ist es nötig, ganz im ruhigen Atem verankert zu sein und Körper wie Geist zu vereinigen. Nicht theoretisch — wirklich. Jetzt. Heute.
4. Tag: Blick in einen Vulkan
Wir befinden uns am 4. Tag unserer Reise durch diese Meditationswoche. Nun zieht eure geistigen Wanderschuhe an. Wir steigen heute auf einen Berg und werfen einen Blick in einen Vulkan. Das ist eine gute Gelegenheit, das bisher Eingeübte anzuwenden.
5. Tag: Intuition
Sucht man nach einer Definition von Intuition findet man Synonyme wie Instinkt, Ahnung, Eingebung, Geistesblitz, Schau. Die Wurzeln des Wortes liegen im Latein: intuitio «unmittelbare Anschauung», «intueri «genau hinsehen, anschauen». Es ist die Fähigkeit des menschlichen Geistes, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen oder Gesetzmässigkeiten zu haben, ohne den Gebrauch des denkenden Verstandes.
6. Tag: Variationen der gleichen Musik
Variationen der gleichen Musik – Wie ihr wohl längst gemerkt habt, sind alle Dharma-Vorträge Variationen der gleichen Musik. Alle Übermittler des Dharmas sagen im Grunde genommen immer dasselbe; und dies seit Generationen. Es geht stets um das aktuelle Leben in dieser Welt und um die Frage nach dem Umgang mit Freud und Leid.
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Wochenretreat 2021, Praxis in schwierigen Zeiten
Die Meditationswoche 2021 fand in einer Zeit statt, die viele von uns noch in Erinnerung haben: eine Welt im Umbruch, eine Gesellschaft im Schockzustand, Körper und Geist angespannt vom langen Atem der Corona-Pandemie. Vor diesem Hintergrund stellten sich die Grundfragen mit besonderer Dringlichkeit: Was ist die Grundlage der Praxis? Was sind stille Wasser, und wie viele Buddhas gibt es im Garten? Die Vorträge dieser Woche kreisen um das Wesentliche, das gerade dann sichtbar wird, wenn das Äussere sich auflöst. Und sie machen den zentralen Unterschied deutlich, der die Zen-Praxis trägt: den Unterschied zwischen Wissen und Verstehen.
Die Grundlage der Praxis
Die Grundlage der Praxis ist das Leben selbst. Und die Grundlage des Lebens ist der Atem. Doch was heisst Praxis, was heisst praktizieren? Praxis bedeutet gewöhnlich, etwas das man gelernt hat, anzuwenden, in die Tat umzusetzen. Was wollen wir in einem Meditationsretreat «lernen»; was wollen wir praktizieren?
Stille Wasser
Dass wir uns hier an einem so wunderbaren Ort treffen können, um eine Auszeit zu nehmen vom mentalen Chaos in der Welt, wo zurzeit ganze Landstriche im Wasser ertrinken oder im Feuer verbrennen, – das ist ein Privileg, das wir nicht hoch genug schätzen können. Im Garten dieses Hauses gibt es einen wunderschönen Teich. Sein Wasser ist in der Regel ruhig und dunkel. Es spiegelt den Himmel und die Wolken und alles andere, das ihn umgibt. Der Teich ist voller Leben.
Wie viele Buddhas gibt es im Garten?
An einem sonnigen Vormittag wurden die Teilnehmenden des diesjährigen Sommerretreats aufgefordert, statt im Meditationsraum im Freien zu meditieren und später in der Einzelbegegnung (Dokusan) die Frage zu beantworten: Wie viele Buddhas gibt es im Garten? Das Folgende ist ein Auszug aus dem Dharma-Vortrag des nächsten Tages.
Wissen versus Verstehen
Der Unterschied zwischen Wissen und Verstehen spielt im Zen-Buddhismus eine zentrale Rolle. Für diejenigen unter euch, die nicht vertraut sind mit unserer Praxis, aber andere buddhistische Wege kennen, möchte ich eine kleine Erklärung dazu geben. Auch für diejenigen, die schon lange dabei sind, ist es wichtig, sich immer wieder bewusst zu werden, dass die Zen-Praxis zwar auf einer fundierten buddhistischen Grundlage des Wissens basiert, aber in keinem buddhistischen Dogma oder einer religiösen Schulrichtung gefangen ist. Das was zählt, ist das Verstehen, das aus der eigenen Erfahrung geboren wird.

Dharma-Vorträge bei Meditationswochen
