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Erleuchtung

siehe «Bodhi

Ethik

Die hier wiedergegebene moderne Formulierung der fünf grundlegenden buddhistischen Lebens-Richtlinien verdanken wir dem Ehrwürdigen Thich Nhat Hanh und seiner Übungsgemeinschaft in Plum Village in Frankreich: „Die fünf Richtlinien sind die Grundlage für ein glückliches Leben. Sie haben die Kraft, Leben zu beschützen und es wahrhaft schön und lebenswert zu machen. Sie sind auch das Tor, das zur Erleuchtung und Befreiung führt“:

  1. Im Bewusstsein des Leides, das durch die Zerstörung von Leben entsteht, gelobe ich, Mitgefühl zu entwickeln und Wege zu lernen, das Leben von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien zu schützen. Ich bin entschlossen, nicht zu töten, das Töten durch andere zu verhindern und keine Form des Tötens zu dulden, sei es in der Realität, in meinen Gedanken oder in meiner Lebensführung.
  2. Im Bewusstsein des Leides, das durch Ausbeutung, soziale
    Ungerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung entsteht, gelobe ich,
    liebevolle Güte zu entwickeln und Wege zu lernen, die dem
    Wohlergehen der Menschen, Tiere, Pflanzen und Mineralien dienen.
    Ich gelobe, Großzügigkeit zu üben, indem ich meine Zeit, Energie und
    materiellen Mittel mit denen teile, die sie wirklich brauchen. Ich bin
    entschlossen, nicht zu stehlen und mir nichts anzueignen, was anderen
    zusteht. Ich will das Eigentum anderer achten, aber auch andere davon
    abhalten, sich durch menschliches Leid oder durch das Leiden anderer
    Lebensformen auf der Erde zu bereichern.
  3. Im Bewusstsein des Leides, das durch sexuelles Fehlverhalten entsteht,
    gelobe ich, Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln und Wege zu
    lernen, die Sicherheit und Integrität von Individuen, Paaren, Familien
    und der Gesellschaft zu schützen. Ich bin entschlossen, keine sexuellen
    Beziehungen aufzunehmen ohne Liebe und die Absicht einer
    dauerhaften Bindung. Um mein eigenes Glück und das der anderen zu
    bewahren, will ich die von mir und anderen eingegangenen Bindungen
    achten. Ich will alles mir mögliche tun, um Kinder vor sexuellem
    Missbrauch zu schützen und um zu verhindern, dass Paare und Familien
    infolge sexuellen Fehlverhaltens auseinander brechen.
  4. Im Bewusstsein des Leides, das durch unachtsame Rede und durch die
    Unfähigkeit, anderen zuzuhören, entsteht, gelobe ich, liebevolles
    Sprechen und aufmerksames, mitfühlendes Zuhören zu entwickeln, um
    meinen Mitmenschen Freude und Glück zu bereiten und ihre Sorgen
    lindern zu helfen. In dem Wissen, dass Worte sowohl Glück als auch
    Schmerz hervorrufen können, gelobe ich wahrhaftig und einfühlsam
    reden zu lernen und Worte zu gebrauchen, die Selbstvertrauen, Freude
    und Hoffnung fördern. Ich bin entschlossen, keine Information
    weiterzugeben, ohne ganz sicher zu sein, dass sie der Wahrheit
    entspricht, und nichts zu kritisieren oder zu verurteilen, worüber ich
    nichts Genaues weiß. Ich will keine Worte gebrauchen, die Hass oder
    Zwietracht säen oder zum Zerbrechen von Familien und
    Gemeinschaften führen können. Ich will mich stets um Versöhnung
    und um die Lösung von Konflikten bemühen – so klein diese auch sein
    mögen.
  5. Im Bewusstsein des Leides, das durch unachtsamen Umgang mit
    Konsumgütern entsteht, gelobe ich, auf körperliche und geistige
    Gesundheit zu achten, bei mir selber, bei meiner Familie und meiner
    Gesellschaft, indem ich achtsames Essen, Trinken und Konsumieren
    übe. Ich will nur das zu mir nehmen, was das Wohl, den Frieden und
    das Glück meines Körpers und meines Geistes fördert und ebenso der
    allgemeinen körperlichen und geistigen Gesundheit dient. Ich bin
    entschlossen, auf Alkohol und andere Rauschmittel zu verzichten,
    sowie auf alles, was eine zerrüttende Wirkung hat, wie zum Beispiel
    bestimmte Fernsehprogramme, Zeitschriften, Bücher, Filme und
    Gespräche. Ich bin mir bewusst, dass ich meinen Vorfahren, meinen
    Eltern, der Gesellschaft und den zukünftigen Generationen Unrecht
    tue, wenn ich meinen Körper und mein Bewusstsein derart
    schädigenden Einflüssen aussetze. Ich will an der Überwindung und
    Transformation von Gewalt, Angst, Ärger und Verwirrung in mir selbst
    und in der Gesellschaft arbeiten, indem ich versuche, maßvoll zu
    leben. Mir ist bewusst, dass eine solche maßvolle Lebensführung für die
    Veränderung meiner selbst ebenso entscheidend ist wie für die
    Veränderung der Gesellschaft. – Aus Dhammapada
Evangelium nach Thomas

Das Evangelium nach Thomas ist ein e Sammlung überlieferter Belehrungen, Sprüche und Gleichnisse von Jesus. Das koptische Evangelium nach Thomas wurde aus dem Griechischen übersetzt. Die griechische Version entstand vor dem Jahr 200, womöglich sogar schon in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts u.Z. in Syrien, Palästina oder Mesopotamien. Als Autor gilt Didymos Judas Thomas, alias Judas „der Zwilling“, welcher ein Apostel von Jesus war.

John 11:16: … sagte Thomas, welcher Didymos genannt wird.
John 20 :24: … einer der Zwölf Didymos.
John 21:2: … Simon Peter und Thomas, auch Didymos genannt.

Das Thomasevangelium besteht aus 114 einzelnen Worten und kurzen Sprüchen Jesus aus dem Ende des 2. Jahrhunderts. Es wurde angeblich nicht von Jünger Thomas verfasst, obwohl dieser als Autor angegeben wird. Im Thomasevangelium sind zusätzliche Sprüche enthalten die im Neuen Testament fehlen.

Dies sind die geheimen Worte, die Jesus, der Lebendige, sprach und die Didymus Judas Thomas niederschrieb.

(1) Und er sagte: Wer die Interpretation dieser Worte findet, wird den Tod nicht schmecken.

(2) Jesus sagte: Wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis er findet; und wenn er findet, wird er bestürzt sein; und wenn er bestürzt ist, wird er verwundert sein, und er wird über das All herrschen.

(3) Jesus sagte: Wenn die, die euch führen, euch sagen: seht, das Königreich ist im Himmel, so werden euch die Vögel des Himmels vorangehen; wenn sie euch sagen: es ist im Meer, so werden euch die Fische vorangehen. Aber das Königreich ist in eurem Inneren, und es ist außerhalb von euch. Wenn ihr euch erkennen werdet, dann werdet ihr erkannt, und ihr werdet wissen, dass ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid. Aber wenn ihr euch nicht erkennt, dann werdet ihr in der Armut sein, und ihr seid die Armut.

(4) Jesus sagte: Der alte Mensch wird nicht zögern in seinem Alter, ein kleines Kind von sieben Tagen zu befragen über den Ort des Lebens, und er wird leben; denn viele Erste werden die Letzten werden, und sie werden ein einziger werden.

(5) Jesus sagte: Erkenne das, was vor dir ist, und das, was vor dir verborgen ist, wird dir enthüllt werden; denn es gibt nichts Verborgenes, was nicht offenbar werden wird.

(6) Seine Jünger fragten ihn (und) sagten zu ihm: Willst du, dass wir fasten? Und wie sollen wir beten (und) Almosen geben? Wie beachten wir die Frage der Speisen? Jesus sagte: lügt nicht und, was ihr verabscheut, das tut nicht; denn alles ist offenbar im Angesicht des Himmels; denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht offenbar werden wird, und es gibt nichts Verhülltes, das bleibt, ohne enthüllt zu werden.

(7) Jesus sagte: Selig ist der Löwe, selig ist den der Mensch isst, und der Löwe wird Mensch werden; und verflucht sei der Mensch, den der Löwe frisst, und der Löwe wird Mensch werden.

(8) Und er sagte: Der Mensch gleicht einem weisen Fischer, der sein Netz ins Meer warf; er zog es aus dem Meer voll von Meinen Fischen; unter ihnen fand er einen großen schönen Fisch, der weise Fischer; er warf alle kleinen Fische ins Meer, er wählte den großen Fisch ohne Anstrengung. Wer Ohren hat, zu hören, der höre!

(9) Jesus sagte: Siehe, da ging ein Sämann hinaus, füllte seine Hand (und) warf (die Samen). Ein Teil davon fiel auf den Weg; die Vögel kamen, sie aufzusammeln. Andere fielen auf den Felsen, und sie schlugen keine Wurzeln in der Erde und brachten keine Ähren hervor gen Himmel. Und andere fielen auf die Dornen; sie erstickten die Saat und der Wurm fraß sie. Und andere fielen auf die gute Erde, und sie gab eine gute Frucht gen Himmel; sie brachte sechzig des Maßes und hundertzwanzig des Maßes.

(10) Jesus sagte: Ich habe ein Feuer auf die Welt geworfen, und seht, ich wache über es, bis es sich entzündet.

(11) Jesus sagte: Dieser Himmel wird vergehen. Und derjenige, der darüber ist, wird vergehen; und die, die tot sind, sind nicht lebendig, und die, die lebendig sind, werden nicht sterben. In den Tagen, in denen ihr esst von dem, was tot ist, macht ihr daraus, was lebendig ist. Wenn ihr Licht sein werdet, was werdet ihr tun? An dem Tag, da ihr eins gewesen seid, seid ihr zwei geworden. Aber wenn ihr zwei geworden seid, was werdet ihr tun?

(12) Die Jünger sagten zu Jesus: Wir wissen, dass du uns verlassen wirst; wer ist es, der groß über uns werden wird? Jesus sagte zu ihnen: Da, wo ihr hingegangen sein werdet, werdet ihr auf Jakobus, den Gerechten, zugehen, für den Himmel und Erde gemacht worden sind.

(13) Jesus sagte zu seinen Jüngern: Vergleicht mich, sagt mir, wem ich gleiche.

Simon Petrus sagte zu ihm: Du gleichst einem gerechten Engel.

Matthäus sagte zu ihm: Du gleichst einem weisen Philosophen.

Thomas sagte zu ihm: Meister, mein Mund wird es absolut nicht zulassen, dass ich sage, wem
du gleichst.

Jesus sagte: Ich bin nicht dein Meister, denn du hast dich berauscht an der sprudelnden Quelle, die ich hervor strömen ließ. Und er nahm ihn, zog sich zurück und sagte ihm drei Worte.

Als Thomas aber zu seinen Gefährten zurückgekehrt war, fragten sie ihn: Was hat dir Jesus gesagt?

Thomas sagte zu ihnen: Wenn ich euch eines der Worte sage, die er mir gesagt hat, werdet ihr Steine nehmen und sie gegen mich werfen, und ein Feuer wird aus den Steinen hervorkommen und euch verbrennen.

(14) Jesus sagte zu ihnen: Wenn ihr fastet, werdet ihr euch eine Sünde zuschreiben; und wenn ihr betet, werdet ihr verdammt werden; und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr Böses an eurem Pneuma tun. Und wenn ihr in irgendein Land eintreten werdet und in den Gebieten wandert, wenn man euch empfängt, dann esst, was auch vorgesetzt wird; heilt die unter ihnen, die krank sind. Denn das, was in euren Mund hineingeht, wird euch nicht beflecken; aber das, was euren Mund verlässt, das ist es, was euch beflecken wird.

(15) Jesus sagte: Wenn ihr den seht, der nicht aus der Frau geboren ist, werft euch mit dem Gesicht zur Erde (und) betet ihn an; dieser ist euer Vater.

Evangelium nach Thomas

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