Der Pfad des Buddha – I

Der Pfad des Buddha - I

Der dreiteilige Aufsatz Der Pfad des Buddha offeriert einen Umriss für einen strukturierten Studiengang. Er ist für alle denjenigen gedacht, die dem Weg des Buddha ernsthaft zu folgen wünschen. Es würde uns freuen, wenn Ihnen diese Essays helfen können, den Spuren Buddhas zu folgen. – Robert + Agetsu


Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt. Jeder Schritt zählt. Mit Geduld, Ausdauer und Mitgefühl verpflichtet sich der Anfänger zum lebenslangen Praktizieren. So findet er immer mehr Sinn und Zweck und erreicht letztlich die tiefe Befreiung des buddhistischen Weges.


Um den Weg Buddhas zu beschreiten, müssen wir einen strukturierten und dennoch flexiblen Ansatz entwickeln. Dieser sollte wesentlichen Aspekte der buddhistischen Praxis und des buddhistischen Verständnisses für uns selbst abdeckt. Dieser Weg sollte Bildung, ethisches Verhalten, Meditation, Einbindung in der Gemeinschaft und lebenslanges Engagement umfassen. Im Folgenden wird eine mögliche Vorgehensweise vorgestellt.

Der Weg zur buddhistischen Erleuchtung ist keine gerade Linie mit einem klaren Ziel. Es ist eine tiefgreifende Reise der Selbstfindung und des Erwachens. Sie beginnt mit Neugier und entwickelt sich durch Verständnis, ethisches Handeln, geistige Disziplin, Gemeinschaftsunterstützung und lebenslanges Üben.

Es ist wichtig zu betonen, dass es auf diesem Weg nicht darum geht, Perfektion zu erreichen. Auch nicht um in einem Augenblick einen fernen, jenseitigen Zustand zu erlangen. Erleuchtung ist im buddhistischen Kontext ein allmähliches Entfalten von Einsicht. Damit verbunden ist ein fortschreitendes Abwerfen von Täuschungen und unheilsamen Mustern und ein Aufblühen von Weisheit und Mitgefühl. Auf dieser Reise wird man mehr und mehr Mensch, wacher und tiefer mit sich selbst und allem Leben verbunden.

Die Herausforderungen auf diesem Weg begegnet, sind keine Hindernisse, die man verschmähen sollte, sondern Chancen für Wachstum und tieferes Verständnis. Für den Anfänger (und wir sind alle Anfänger) ist der wichtigste Schritt einfach anzufangen. Man sollte sich den Lehren mit offenem Geist und bereitwilligem Herzen nähern. Durch aufrichtiges und konsequentes Üben wächst das Vertrauen in die transformative Kraft des Dharma.  

Der Weg ist gut begehbar, da er seit Jahrtausenden von unzähligen Suchenden beschritten wurde. Er bietet eine zeitlose und tiefgründige Ausrichtung, um sich in der Komplexität des Daseins zurechtzufinden und das innewohnende Potenzial für Frieden und Befreiung zu verwirklichen, das in jedem Einzelnen liegt. Hoffentlich kann dieser Leitfaden als hilfreicher Begleiter auf dieser Reise dienen.

Den Weg der Selbstfindung beschreiten – Ein Leitfaden

Das Streben nach Erleuchtung (Befreiung), ein zentrales Anliegen im Buddhismus, ist eine tiefgreifende innere Reise der Selbstfindung, Transformation und Befreiung vom Leiden. 

Für alle, die damit gerade erst beginnen, können die Weite und Tiefe der buddhistischen Philosophie und das Praktizieren entmutigend, vielleicht sogar undurchdringlich erscheinen. 

Das Ziel dieses Leitfadens ist es, diese Reise zu entmystifizieren, indem es einen klaren, zugänglichen und grundlegenden „Weg” entwirft, dem man folgen kann. Es handelt sich dabei nicht um ein Rezept für sofortiges Erwachen, da Erleuchtung im Buddhismus nicht als fernes Ziel verstanden wird, sondern als allmähliche Entfaltung von Einsicht und Weisheit. Es bietet vielmehr einen strukturierten und dennoch flexiblen Rahmen, der sich auf zentrale buddhistische Lehren und praktische Schritte stützt, um Menschen zu befähigen, diesen Weg der Transformation mit Zuversicht und Verständnis zu beschreiten. 

Die Reise ist sehr persönlich und erfordert Geduld, Fleiß und mitfühlende Selbstreflexion. Dieser Leitfaden fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus verfügbaren Quellen zusammen, um einen mehrstufigen Ansatz zu entwickeln, der mit einer ersten Annäherung an grundlegende Konzepte beginnt und schrittweise zu ethischem Leben, meditativer Praxis, Engagement in der Gemeinschaft und einer lebenslangen Verpflichtung zu Lernen und Wachstum führt. 

Der Schwerpunkt liegt auf der Bereitstellung umsetzbarer Ratschläge und der Empfehlung zuverlässiger Ressourcen, um sicherzustellen, dass man gut gerüstet ist für die ersten Schritte auf diesem alten und ehrenwerten Weg. Das ultimative Ziel besteht darin, Neulingen einen Weg aufzuzeigen, wie sie die Prinzipien des Buddhismus nicht nur verstehen, sondern auch in ihr tägliches Leben integrieren können, um ein tieferes Gefühl von Frieden und Klarheit zu entwickeln und letztendlich zu der tiefgreifenden Befreiung zu gelangen, die Erleuchtung ausmacht. Dieser Lehrpfad soll als unterstützender Begleiter dienen, der die Herausforderungen anerkennt und gleichzeitig die tiefgründigen Erfahrungen würdigt, die mit dem aufrichtigen Streben nach buddhistischem Verständnis und buddhistischem Praktizieren einhergehen.

Die Grundlagen legen: Erste Schritte

Der erste Ausflug in die Welt des Buddhismus ist eine entscheidende Phase, die den Ton und die Richtung für die gesamte spirituelle Reise angibt. Es ist eine Zeit, die von Neugier, vielleicht auch ein wenig Besorgnis und dem aufrichtigen Wunsch geprägt ist, eine Tradition zu verstehen, die sowohl alt als auch für das moderne Leben von großer Bedeutung ist. 

Die grundlegenden Schritte umfassen nicht nur das Sammeln von Informationen, sondern auch die Entwicklung der richtigen Einstellung von Offenheit, kritisches Hinterfragen und geduldige Selbstachtung.

In dieser Anfangsphase geht es darum, eine Grundlage zu errichten, auf der ein tieferes Verständnis und das Praktizieren aufgebaut werden kann. Dazu gehört, etwas über die historischen Wurzeln des Buddhismus zu lernen, sein zentrales diagnostisches Rahmenwerk für die menschliche Existenz – die Vier Edlen Wahrheiten – zu begreifen sowie sich mit den grundlegenden ethischen Leitlinien vertraut zu machen, die ein Leben prägen, das dem spirituellen Wachstum förderlich ist.

Darüber hinaus bietet diese Phase die Gelegenheit, die reiche Vielfalt des Buddhismus zu erkunden und zu verstehen.

Die heute verfügbaren Ressourcen, von Büchern und Online-Kursen bis hin zu Websites und Gemeinschaften, sind reichhaltiger denn je, was diese erste Erkundung sowohl spannend als auch potenziell überwältigend macht. 

Ein strukturierter Ansatz für dieses erste Lernen, der sich auf Klarheit und Authentizität konzentriert, ist daher unerlässlich. Dazu gehört nicht nur die passive Aufnahme von Informationen. Es bedarf sondern auch die aktive Auseinandersetzung durch Reflexion und vielleicht auch Übungen, wie zum Beispiel kurze Achtsamkeitsübungen. 

*

Das Ziel in dieser Phase ist nicht, alles zu beherrschen, sondern sich zu orientieren – eine grundlegende Karte des Geländes zu erstellen und ein Gefühl für den vor uns liegenden Weg zu entwickeln. Es geht darum, Samen des Verständnisses zu säen, die mit konsequenter Pflege und Aufmerksamkeit allmählich zu tieferen Einsichten und echter Transformation heranreifen. Diese Grundlagenarbeit ist das Fundament, auf dem ein nachhaltiges und sinnvolles Streben nach buddhistischer Erleuchtung aufgebaut werden kann, damit der Anfänger gut auf die anspruchsvolleren und lohnenderen Phasen der Reise vorbereitet ist, die noch vor ihm liegen.

Der allererste Schritt für einen Anfänger besteht darin, ein umfassendes Verständnis davon zu erlangen, was Buddhismus ist, wer sein historischer Begründer war und was seine grundlegenden Lehren sind. Dazu gehört eine Einführung in Siddhartha Gautama, den Buddha, und seinen Weg zur Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum.

Das Verständnis von Buddhas Lebensgeschichte liefert den Kontext für seine Lehren und die menschliche Existenz, mit der er sich auseinandersetzte. Zu den Schlüsselkonzepten, die frühzeitig eingeführt werden sollten, gehören das Verständnis des Leidens (Dukkha) als ein inhärenter Aspekt des Lebens, das Prinzip der Vergänglichkeit (Anicca), das besagt, dass alles in einem ständigen Wandel begriffen ist, und das Konzept des Nicht-Selbst (Anatta), das die Vorstellung einer permanenten, unveränderlichen Seele oder eines Egos in Frage stellt. Diese drei Merkmale unseres Lebens sind grundlegend für die buddhistische Weltanschauung und bieten eine Perspektive, durch die man die Wirklichkeit erkennen und verstehen kann.

*

Ressourcen wie das Zentrum für Zen-Buddhismus oder Buddhistische Gesellschaft München > Bücher und Vorträge oder deutsche buddhistische union, Tibetische Zentrum oder Lotsawa House werden oft für ihre klaren und zugänglichen Erklärungen dieser Kernideen empfohlen.

Diese Ressourcen ermöglichen es Anfängern, in ihrem eigenen Tempo und bequem von zu Hause aus zu lernen. In dieser Anfangsphase ist es wichtig, sich dem Material mit offenem Geist, aber auch mit einer gesunden Portion Urteilsvermögen zu nähern und zu erkennen, dass der Buddhismus keine monolithische Tradition ist und dass es unterschiedliche Interpretationen gibt. 

Das Ziel ist es, einen grundlegenden Wortschatz und einen konzeptionellen Rahmen aufzubauen, der später ein tieferes Studium und das Praktizieren unterstützt. 

Diese erste Ausbildung sollte auch die Vielfalt der buddhistischen Traditionen wie Theravada, Mahayana und Vajrayana behandeln, um Anfängern einen Eindruck von den verschiedenen Wegen zu vermitteln, die der Buddhismus bietet. Diese Erkundung kann ihnen helfen, herauszufinden, welche Tradition eher mit ihrer eigenen Sensibilität und ihren spirituellen Bestrebungen übereinstimmt, obwohl eine feste Bindung an eine bestimmte Schule in dieser frühen Phase noch nicht notwendig ist. Der Schwerpunkt sollte auf dem Verständnis der Gemeinsamkeiten aller buddhistischen Schulen liegen, insbesondere der Kernlehren Buddhas.

Die Vier Edlen Wahrheiten

Ein wichtiger Teil dieser ersten Lernphase ist das Verstehen der Vier Edlen Wahrheiten, die als die erste und grundlegendste Lehre Buddhas gelten und die Basis für alles buddhistische Denken und Handeln bilden.

Diese Wahrheiten sollen nicht pessimistisch aufgefasst werden, sondern vielmehr als eine realistische Einschätzung der menschlichen Existenz und als ein Weg zur Freiheit.

Die erste Edle Wahrheit ist die Wahrheit des Leidens (Dukkha). Damit ist nicht nur offensichtlicher Schmerz oder Elend gemeint, sondern auch ein subtileres Gefühl der Unzufriedenheit, des Unbehagens oder der Unvollkommenheit, das alle bedingte Existenz durchdringt. Geburt, Altern, Krankheit, Tod, Trauer, Wehklagen, Schmerz, Kummer und Verzweiflung sind alles Formen von Dukkha. Selbst angenehme Erfahrungen sind von Dukkha geprägt, da sie vergänglich sind und ihr Ende zu Leiden führt. Das Verständnis der Natur und des Umfangs von Dukkha ist der erste Schritt auf dem Weg zu seiner Beendigung.

Die zweite Edle Wahrheit identifiziert die Ursache des Leidens. Der Buddha lehrte, dass der Ursprung von Dukkha das Verlangen oder der Durst ist – das Verlangen nach sinnlichen Freuden, das Verlangen nach Werden (Existenz) und das Verlangen nach Nicht-Werden (Vernichtung). Dieses Verlangen wird durch Unwissenheit über die wahre Natur der Realität, insbesondere über die drei Merkmale der Existenz, angeheizt. Es bindet die Wesen an den Kreislauf der Wiedergeburt (Samsāra) und hält das Leiden aufrecht.

Die dritte Edle Wahrheit bietet Hoffnung, indem sie das Aufhören des Leidens (Nirodha) verkündet. Dies ist das Nirvāna, das vollständige Erlöschen von Verlangen und Unwissenheit und damit das Ende von Dukkha. Nirvāna ist kein Ort, sondern ein Zustand höchster Ruhe und Befreiung, das ultimative Ziel des buddhistischen Weges. Es kann durch die Beseitigung der Ursachen des Leidens erreicht werden.

Die vierte Edle Wahrheit zeigt den Weg, der zum Ende des Leidens führt. Das ist der Edle Achtfache Pfad, der oft als der Mittelweg beschrieben wird, der die Extreme von sinnlicher Genussucht und Selbstkasteiung vermeidet. Er ist ein praktischer Leitfaden für ethisches Verhalten, mentale Disziplin und Weisheit und bietet einen systematischen Ansatz, um das eigene Leben zu verändern und Befreiung zu erreichen.

Ein tiefes und gründliches Verständnis dieser Vier Edlen Wahrheiten ist von größter Bedeutung, da sie den diagnostischen Rahmen für die menschliche Notlage und das Rezept für ihre Lösung liefern. Anfänger sollten viel Zeit damit verbringen, über jede Wahrheit nachzudenken, nicht nur intellektuell, sondern auch in Bezug auf ihre eigenen Lebenserfahrungen.

Gleichzeitig mit dem Verständnis der Vier Edlen Wahrheiten sollte der Anfänger in den Rahmen des Edlen Achtfachen Pfades eingeführt werden, da dieser die praktische Methodik zum Praktizieren des buddhistischen Weges darstellt.

Der Edle Achtfache Pfad

Dieser Pfad ist keine Abfolge von Schritten, die nacheinander vollendet werden müssen, sondern besteht aus acht miteinander verbundenen Faktoren, die gleichzeitig entwickelt werden und sich gegenseitig unterstützen. Traditionell werden sie in drei Kategorien unterteilt: Weisheit (Prjañā ), ethisches Verhalten (Sīla) und mentale Disziplin (Samādhi).

Die Gruppe der Weisheit umfasst Rechte Sicht und Rechte Absicht. Die Rechte Sicht beinhaltet das Verständnis der Vier Edlen Wahrheiten, des Gesetzes des Karma und des Prinzips der Wiedergeburt. Sie ist die kognitive Grundlage des Weges, der dazu führt, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. 

Rechte Absicht, auch bekannt als Rechtes Denken, beinhaltet die Kultivierung von Absichten der Entsagung (Loslassen von Begierden), des guten Willens (liebevolle Güte), des Mitgefühls (keinen Schaden zufügen) und die Abkehr von Absichten, die in Gier, Abneigung und Verblendung verwurzelt sind.

Die Gruppe des ethischen Verhaltens umfasst Rechte Rede, rechtes Handeln und rechten Lebensunterhalt. Diese Faktoren leiten das Verhalten eines Menschen in der Welt. 

Rechte Rede bedeutet, sich falscher Rede, verleumderischer Rede, harter Rede und leerem Geschwätz zu enthalten und stattdessen wahrheitsgemäß, harmonisch, sanft und sinnvoll zu sprechen. Rechtes Handeln bedeutet, sich des Tötens, Stehlens und sexuellen Fehlverhaltens zu enthalten und mit Freundlichkeit, Großzügigkeit und Respekt zu handeln. Rechtes Handeln bedeutet, seinen Lebensunterhalt auf eine Weise zu verdienen, die anderen nicht schadet und ethisch ist, indem man Berufe meidet, die mit Waffen, Lebewesen, Fleisch, Rauschmitteln oder Giften zu tun haben.

Die Gruppe der geistigen Disziplin umfasst Rechtes Bemühen, Rechte Achtsamkeit und Rechte Konzentration. Rechtes Bemühen ist das bewusste Bemühen, heilsame geistige Zustände zu kultivieren und unheilsame zu verhindern, sowie bereits entstandene unheilsame Zustände aufzugeben und heilsame Zustände zu kultivieren und aufrechtzuerhalten. Rechte Achtsamkeit ist die kultivierte Fähigkeit, ein klares, nicht wertendes Gewahrsein für die gegenwärtige Erfahrung zu bewahren, einschließlich körperlicher Empfindungen, Gefühle, Geisteszustände und geistiger Objekte, wie es im Satipatthana Sutra (die Grundlagen der Achtsamkeit) gelehrt wird. Rechte Konzentration ist die Entwicklung fokussierter Aufmerksamkeit, typischerweise durch das Praktizieren von Meditationstechniken wie Samatha (ruhiges Verweilen), die zu Zuständen tiefer Versenkung führen, die als Jhānas bekannt sind.

Für Anfänger ist als Erstes wichtig, sich einfach mit diesen acht Faktoren und ihren Wechselbeziehungen vertraut zu machen. Sie bieten einen umfassenden Bauplan für ein Leben, das nicht nur ethisch und harmonisch ist, sondern auch dem spirituellen Fortschritt und der Verwirklichung der Erleuchtung förderlich ist. Viele Einführungsbücher und -kurse räumen der Erklärung des Edlen Achtfachen Pfades vielPlatz ein, da dieser das Herzstück der buddhistischen Praxis bildet.

Ethisches Verhalten und geistige Disziplin kultivieren: Die praktische Anwendung des Dharma

Sobald ein Anfänger die grundlegenden Konzepte des Buddhismus verstanden hat, insbesondere die Vier Edlen Wahrheiten und den Edlen Achtfachen Pfad, besteht der nächste logische und entscheidende Schritt darin, dieses intellektuelle Verständnis in das praktische Leben umzusetzen.

Dazu gehört die Kultivierung ethischen Verhaltens (Sīla) und die Entwicklung geistiger Disziplin (Samādhi), zwei der drei Hauptbereiche des Edlen Achtfachen Pfades. Dies sind nicht nur vorbereitende Schritte, sondern integrale und fortwährende Aspekte der gesamten buddhistischen Reise, die sich gegenseitig unterstützen und verstärken.

Ethisches Verhalten sorgt für die nötige Ruhe und Gelassenheit, die für eine wirksame Meditation wichtig sind, während mentale Disziplin, die man durch Übungen wie Achtsamkeit und Konzentration lernt, das Verständnis für ethische Grundsätze vertieft und die Entschlossenheit stärkt, diese einzuhalten.

Es gilt sich aktiv mit dem Dharma zu beschäftigen und von der Theorie zur Praxis überzugehen. Dazu gehört, im täglichen Leben bewusste Entscheidungen zu treffen, die mit den buddhistischen Prinzipien im Einklang stehen, und Zeit für die Schulung des Geistes aufzuwenden. Hier beginnt man, die verwandelnde Kraft des Buddhismus direkt zu erfahren, da man die positiven Auswirkungen ethischen Verhaltens und geistiger Klarheit auf das eigene Wohlbefinden und die eigenen Beziehungen zu erkennen beginnt.

Diese Phase erfordert auch Engagement, Selbstaufrichtigkeit und die Bereitschaft, sich mit den eigenen Gewohnheiten auseinanderzusetzen, die möglicherweise unheilsam sind. Es ist ein Prozess der allmählichen Reinigung und Verfeinerung, der eine starke innere Grundlage für die anschließende Entwicklung von Weisheit schafft, dem dritten Abschnitt des Pfades, der letztendlich zur Erleuchtung führt.

Ohne eine solide Grundlage in Ethik und geistiger Disziplin kann das Streben nach Weisheit leicht zu bloßer intellektueller Spekulation werden, die die transformierende Kraft der geistigen Befreiung fehlt. Daher ist die Praxis eine unverzichtbare Brücke zwischen dem Verstehen der Lehren und der Verwirklichung ihrer Wahrheit im eigenen Leben.

Die Fünf Gebote

Die Kultivierung ethischen Verhaltens beginnt im Buddhismus gewöhnlich damit, die Fünf Gebote anzunehmen und zu praktizieren. Diese Gebote sind keine Vorschriften, sondern freiwillige Verhaltensregeln der Buddhistischen, um ein gewaltloses und mitfühlendes Leben zu führen und damit eine Grundlage für inneren Frieden und spirituellen Fortschritt zu schaffen. 

Sie sind praktische Ausdrucksformen von Rechter Rede, Rechtem Handeln und Rechtem Lebensunterhalt. 

Das erste Gebot lautet, kein Leben zu nehmen. Dieses Gebot fördert den Respekt vor allen Lebewesen und unterstützt Gewaltfreiheit und Mitgefühl. Für Anfänger heißt das, darauf zu achten, dass man Menschen, Tieren oder anderen fühlenden Wesen weder durch Handlungen noch durch Absichten Schaden zufügt. Das kann auch bedeuten, sich vegetarisch zu ernähren, aber das ist eine persönliche Entscheidung und nicht für alle buddhistischen Laien vorgeschrieben. 

Das zweite Gebot ist, nichts zu nehmen, was einem nicht gegeben wurde. Dieses Gebot fördert Ehrlichkeit und Respekt für das Eigentum anderer. Es geht über bloßen Diebstahl hinaus und umfasst jede Form von unehrlichem Erwerb, wie Betrug, Ausbeutung oder das Ausleihen ohne Erlaubnis. Anfänger werden dazu ermutigt, Großzügigkeit als positives Gegenstück zum Verzicht auf Diebstahl zu praktizieren. 

Das dritte Gebot ist, sich sexuellen Fehlverhaltens zu enthalten. Dieses Gebot fördert verantwortungsbewusstes und respektvolles sexuelles Verhalten und vermeidet Handlungen, die einem selbst oder anderen Schaden zufügen, wie Ehebruch, sexuelle Ausbeutung oder Nötigung. Es fördert Treue und Verbindlichkeit in Beziehungen.

Das vierte Gebot ist, sich falscher Rede zu enthalten. Dieses Gebot betont die Bedeutung von Wahrhaftigkeit und harmonischer Kommunikation. Es beinhaltet den Verzicht auf Lügen, Verleumdungen, Klatsch und harte Worte, also ehrlich, wohlwollend, zur richtigen Zeit und mit guten Absichten zu reden.

Das fünfte Gebot lautet, sich von berauschenden Getränken und Drogen fernzuhalten, die zu Achtlosigkeit führen. Dieses Gebot unterstreicht, wie wichtig geistige Klarheit und Achtsamkeit sind, weil es klar macht, dass Rauschmittel das Urteilsvermögen trüben, die Selbstbeherrschung beeinträchtigen und den spirituellen Fortschritt behindern können. 

Das aufrichtige Bemühen, diese Gebote einzuhalten, bietet den praktizierenden Buddhisten einen klaren ethischen Rahmen für ihr tägliches Leben.

Es geht nicht um Perfektion, sondern um bewusste Anstrengung und das Lernen aus Fehlern. Das Reflektieren über die eigenen Handlungen und deren Folgen sowie das Wiedergutmachen, wenn nötig, ist Teil dieser Übung. 

Der Pfad des Buddha – I
Der Pfad des Buddha – I
Nach oben scrollen