Die Vier Edlen Wahrheiten

Die Vier Edlen Wahrheiten

Wie der Buddha sagte, ist die «Conditio humana» der Zustand von Dukkha.

Dukkha: Das Leben bringt Schmerz; Glück endet in Sorgen; auf Geburt folgt Tod; alles ist vergänglich, nichts bleibt und wir selbst sind eine Fata Morgana. Es ist seit Millionen von Jahren so. Und so wird es bleiben, bis wir uns, jeder für sich, aus dem Sumpf von Samsāra heraus- gezogen haben.

Der Ursprung von Dukkha: Die einzige Ursache für unsere Probleme sind wir selbst, und nur wir selbst können die Ursache all unserer Probleme eliminieren. Jemand anderem die Schuld für unser Schicksal zuzuweisen, ist keine akzeptable Lösung. Die Bürde des eigenen Leidens einer «göttlichen» Instanz aufzuladen oder die «Heilmethode» eines anderen Menschen zu kopieren führt zu nichts. Jeder Mensch trägt die Verantwortung für seine Unwissenheit und deren Auflösung selbst.

Das Beenden von Dukkha: Die gute Nachricht ist, dass es einen Ausweg aus dem selbst geschaffenen Labyrinth gibt. Leider erfordert es eine Anstrengung von unserer Seite und wir Menschen sind nicht bekannt dafür, uns für etwas anzustrengen, das uns nicht sofort zu Gewinn oder Vergnügen verhilft. Das ist der Grund, warum wir noch immer nur «angehende» Buddhas sind.

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Der Weg zur Befreiung von Dukkha zeigt den Ausweg aus dem Labyrinth. Aber es ist kein Weg. Es gibt keinen Aus- gangspunkt und kein Ziel. Es handelt sich nicht um ein Regelwerk. Es ist keine Liste von «du sollst und du sollst nicht.» Es braucht eine scharfe Erkenntniskraft, das heisst einen vollkommen offenen Geist, um diesem nicht vorhan- denen Pfad zu «folgen», denn er bewegt sich in jedem Moment in alle Richtungen. Und, wie J. Krishnamurti es vortrefflich formulierte: «Wahrheit ist ein wegloses Land». Diese lebenslange Reise beinhaltet ein zunehmend intensives Verstehen, Erfahren und Durchleben der acht Facetten des Edlen Pfades der Befreiung. Es ist die Erfahrung des Verstehens, die Unwissenheit und damit Dukkha auflöst.

Die Vier Edlen Wahrheiten bilden den Kern von Buddhas Lehre. Die in buchstäblich Tausenden von Sutras überlieferten Worte Buddhas behandeln alle den einen oder anderen Aspekt der Vier Edlen Wahrheiten.

Die Sutras, Buddhas gesprochene Worte in geschriebener Form, haben wir Ananda, Buddhas Cousin, Schüler und Gehilfen zu verdanken. Ananda hatte ein ungeheures sprachliches Gedächtnis. Deshalb wurde er am Ersten Buddhistischen Kongress, der kurz nach Buddhas Parinirvana stattfand, gebeten, alle Belehrungen von Buddha möglichst wörtlich wiederzugeben. Fast alle Lehrreden der Sammlung namens Sutta Pitaka (Sutra-Korb)», von denen es über 10’000 gibt, werden dem Gedächtnis von Ananda zugeschrieben. Für Ananda jedoch war der Besitz dieses außerordentlichen Gedächtnisses ein Segen und ein Fluch zugleich. Es heißt, der Buddha habe Ananda des öfteren ermahnt, mehr Zeit in Meditation zu verbringen, weil die Erleuchtung, die er suchte, nicht intellektuell erlangt werden könne. Ananda entdeckte schlussendlich die Wahrheit von Buddhas Worten und erlangte den Zustand der vollkommenen Befreiung noch während seines Lebens. Fast alle Sutras, die auf Anandas Wiedergabe zurückgehen, beginnen mit den Worten: «Evam me sutam», «So habe ich gehört.»

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Die Vier Edlen Wahrheiten sind in zwei Kategorien unterteilt. Die ersten drei Wahrheiten können als die Doktrin, die Lehre, betrachtet werden. Die vierte Wahrheit ist die «Praxis», die dazu verhilft, die ersten drei Wahrheiten der eigenen Erfahrung zugänglich zu machen. Diese Praxis, Der Edle Achtfache Pfad, ist das Thema dieses Buchs.

Eine «Lehre» ist nichts mehr als Worte im Wind bzw. Geist, solange sie nicht im Empfänger aktualisiert wird. Die Aktualisierung ist die Blüte der Einsicht und die simultane Beseitigung von Unwissenheit. Intellektualisieren ist nicht Aktualisieren.

Die Vierte Wahrheit, definiert als Der Edle Achtfache Pfad, ist der virtuelle Weg, der zur Auflösung der Unwissenheit führt. Das erste Element des Edlen Achtfachen Pfades heisst «Rechte Sicht», wobei «Rechte Sicht» das vollkommene Verstehen der Vierfachen Wahrheit beinhaltet. Hier schließt sich der Kreis. Alles hängt zusammen, es gibt keine losen Enden, der gordische Knoten ohne Anfang und ohne Ende. Und dieser wartet darauf, von dir gelöst zu werden … jetzt! … aber nicht so, wie Alexander es tat.

Der
Edle Achtfache Pfad
zur
Befreiung von Dukkha
führt zum
Beenden von Dukkha.
Dadurch verschwindet die
Ursache von Dukkha
und das führt zum
Ende von Dukkha.

Aus: Der Edle Achtfach Pfad Kapitel 6

Die Vier Edlen Wahrheiten – Kontemplation

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