Kahlil Gibran – Kontemplation

Kahlil Gibran – Kontemplation

Kahlil Gibran

Viele von euch sind vermutlich mit Gibrans Werken bekannt. Sein berühmtestes Buch trägt den Titel «Der Prophet». In den 1970er Jahren war es sozusagen die Pflichtlektüre für alle Hippies und Möchtegern-Hippies auf ihrem Weg zur Erleuchtung. Gibrans Werk hat den Test der Zeit mit viel mehr Anmut und Souveränität bestanden als viele von jenen, die ihm Kultstatus verliehen hatten … zum Glück.

Kahlil Gibran selbst war eine bemerkenswerte Persönlichkeit: https://www.kahlilgibran.com/

Man kann viel über ihn lesen unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Kahlil_Gibran

oder ein wenig unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Kahlil_Gibran

Die Texte und Poesie im Kalender stammen zum grössten Teil aus dem Buch The Madman.

Verrückter

Gibran war mit den Parabeln des Sufismus und dem Konzept des «Verrücktseins» recht gut vertraut. Ein «Verrückter», in der Sufi-Tradition auch als «verrückter Heiliger» bekannt, ist gekennzeichnet durch unkonventionelles Verhalten im Zusammenhang mit religiösen oder spirituellen Erfahrungen. Oft ist es ein Lehrer, der für Aussenstehende unverständlich bleibt, aber von seinen Schülern verstanden wird.

Das Wort «verrückt» oder «majnun» im Arabischen ist ursprünglich ein Sufi-Begriff. «Majnun» bedeutet extreme Liebe, bis hin zum Wahnsinn. Die durch den Wahnsinn ausgedrückte Liebe ist die Liebe zu Gott (nicht zu verwechseln mit dem Wort «Gott» in der jüdisch-christlichen Version). Ein Kernanliegen des Sufi-Glaubens ist das Streben nach «Einheit mit Gott», (Zen: «Was ist dein ursprüngliches Gesicht?», «Zeige deine Urnatur».).

In der ersten Parabel beantwortet Gibran die Frage, wie er ein Verrückter geworden sei:
«Es geschah folgendermassen: Eines Tages, lange bevor viele Götter geboren wurden, erwachte ich aus einem tiefen Schlaf und stellte fest, dass alle meine Masken gestohlen worden waren, – die sieben Masken, die ich in sieben Leben gestaltet und getragen habe …»

Die Zahl Sieben repräsentiert das Sufi-Konzept, dass zur Verwirklichung des Selbst (das Alaya-Bewusstsein, das «Ich bin», die sieben Chakras) sieben Stufen der Erkenntnis durchlaufen werden müsse. Diese Stufen repräsentiert das Verlöschen der sechs Bewusstseinsarten (wie im Herz-Sutra beschrieben).

°

Dann beschreibt der Verrückte (Gibran) seine Initiation in den Zustand der Verrücktheit:
«Als ich den Marktplatz erreichte, stand ein Jüngling auf einem Hausdach und rief: «Er ist ein Verrückter». Ich schaute auf, um ihn zu sehen und da küsste die Sonne mein Gesicht. – Zum ersten Mal küsste die Sonne mein eigenes nacktes Gesicht und meine Seele war von Liebe zur Sonne entbrannt. Ich wollte meine Masken nicht mehr. Und wie in Trance rief ich: «Gesegnet, gesegnet sind die Diebe, die meine Masken gestohlen haben.»

So wurde ich zu einem Verrückten. – Und habe beides gefunden: Freiheit der Einsamkeit und den Schutz vor dem Verstanden-werden. Denn diejenigen, die uns verstehen, versklaven etwas in uns.»

Gibran bietet uns zwölf Beispiele für Einblicke in die menschliche Welt der Masken und Verkleidungen.

Kahlil Gibran - Kontemplation
Kahlil Gibran – Kontemplation
Nach oben scrollen