Das Alaya-Bewusstsein wird oft „Speicherbewusstsein“ bezeichnet, weil es alle Samen unserer vergangenen Handlungen, Gedanken und Erfahrungen enthält. Es ist nicht der alltägliche denkende, fühlende oder wahrnehmende Geist. Es ist ein riesiges Archiv, wie ein endloses Universum, in dem karmische Prägungen gespeichert sind, die sich unter passenden Bedingungen erneut manifestieren können.
Obwohl es als das achte gezählt wird, gilt es als das Fundament für die sieben anderen Bewusstseinsarten.
Es heißt, dieses Grundbewusstsein sei durch den anfangslosen Prozess von Karma und mentaler Konditionierung entstanden. Es ist nicht so, dass etwas oder jemand es zu einem bestimmten Zeitpunkt geschaffen hat; es ist ein zeitloses Kontinuum.
Alaya als „universeller Speicher“
Stell dir vor, du schaust in einer klaren Nacht zum Sternenhimmel hoch und siehst die Sterne in ihrem ganz eigenen Tanz funkeln – sie werden geboren, wachsen, altern und verblassen wieder, alles in einem endlosen Kreislauf. Es ist, als würdest du in das Alaya-Bewusstsein blicken, das sich im Moment wie dein eigenes anfühlt. Jeder Stern repräsentiert eine Sammlung deiner Gedanken, Worte, Taten, Erfahrungen, Gewohnheiten, Tendenzen, Erinnerungen und der latenten Eindrücke (vasanas) aus unzähligen früheren Leben. Nicht nur die bedeutenden Ereignisse, auch die subtilsten Gewohnheiten, Vorlieben, Ängste und Talente sind darin gespeichert. Es sind die Samen für deine zukünftigen Erfahrungen und Potenziale. Alles, was du je warst, gestaltet den sternklaren Nachthimmel und neue Sterne werden ohne Ende geschaffen.
Alaya als „Basis der Kontinuität“
Es ist der subtile Faden der Kontinuität, der von einem Leben zum nächsten fließt. Wenn dein physischer Körper und seine sieben Bewusstseinsarten vergehen, vergeht das Alaya-Bewusstsein mit all seinen karmischen Samen nicht. Es stirbt nie. Es ist das Bewusstseins-Kontinuum, das von einem Leben ins nächste übergeht. Es ist ein „codiertes“ Energiefeld, das weiterfließt, bis ein anderer Körper aus dem gespeicherten karmischen Code Gestalt annimmt. Das ist der karmische Bauplan für das nächste Leben.
Dieser karmische Bauplan manifestiert sich als fünf dynamische, sich gegenseitig beeinflussende Prozesse, die der Buddha und seine Schüler Jahrhunderte vor der Formulierung des Alayabewusstseins erklärten. Zusammen bilden sie das geistige Konglomerat, das wir kollektiv als „Ich“ bezeichnen.
Der Buddha nannte diese Sammlung von Prozessen die Fünf Skandhas (wörtl. fünf Anhäufungen). Sie heißen: Form oder Materie (Rūpa), Gefühl oder Empfindung (Vedanā), Wahrnehmung oder Erkennung (Saññā), Geistige Formationen, Tendenzen oder willensmäßige Aktivitäten (Saṅkhāra), Bewusstsein (Viññāṇa)
Diese Analyse Buddhas war äußerst radikal. Er identifizierte kein Seelenwesen, keine Essenz und kein permanentes Selbst, sondern zeigte stattdessen einen Spiegel unserer Erfahrungen. Darin offenbaren sich fünf dynamische, von einander abhängige Prozesse, die wir fälschlicherweise mit „Ich”, „mein“ oder „mich“ betiteln.
Gemäß der buddhistischen Lehre bilden diese fünf Anhäufungen die Grundlage von Geburt und Tod, und ihre Wiedermanifestation wird vom Alaya-Bewusstsein entsprechend einem ungenannten Bauplan verursacht.
Alaya als „Grundlage für alle anderen Bewusstseinsarten“
Wie bereits erwähnt, unterscheidet man im Buddhismus acht Arten von Bewusstsein: Die ersten fünf Arten basieren auf den Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Berühren). Die sechste ist das konzeptuelle Geistesbewusstsein (Denken, Planen, Vorstellen). Die siebte ist der „geplagte“ Geist, der ständig die Illusion eines getrennten „Selbst“ schafft, indem er das Alaya-Bewusstsein als sein „Ich“ missversteht.
Nehmen wir als Beispiel einen Computer: Das Alaya entspricht der Festplatte und dem Betriebssystem – der grundlegenden Speicher- und Verarbeitungsplattform. Die anderen sieben Bewusstseinsarten entsprechen den Anwendungen (Webbrowser, Textverarbeitungsprogramm, Spiele). Diese Anwendungen brauchen das Betriebssystem und die Festplatte als Basis, um zu funktionieren, sie lesen und schreiben ständig Daten auf die Festplatte (Samen säen). Das Betriebssystem selbst hat eine grundlegende Funktion, die fälschlicherweise glaubt, es sei der ganze Computer. Dieses Bewusstsein ist Manus, der „geplagte“ Geist, das Ich-Bewusstsein.
Alaya als „neutral, aber geprägt“
Alaya-vijnana (Alaya-Bewusstsein) selbst ist neutral – weder aus sich selbst heraus gut noch schlecht. Es fungiert nur als Lagerhaus. Seine Inhalte, allerdings, können heilsam (zu Glück führend), unheilsam (zu Leiden führend) oder neutral sein. Sie werden von unseren Handlungen gefärbt.
Ein „leeres“ Universum ist neutral. Es speichert lediglich Gegenstände. Der Wert oder das Fehlen desselben ergibt sich aus dem Inhalt, nicht aus dem Universum selbst.
Alaya als „Permanente Aktivität“
Das Alaya-Bewusstsein ist nie wirklich abwesend. Selbst im traumlosen Tiefschlaf, unter Narkose oder in der Meditation, wenn der oberflächliche Geist still ist, hält es die Körperfunktionen aufrecht – Herz- und Lunge funktionieren weiter – speichert Eindrücke und lässt Samen heranreifen.
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