Alaya-vijnana

Im Folgenden untersuchen wir die acht Bewusstseinsarten, beginnend mit dem Alaya-Bewusstsein (Alaya-vijnana). Alle anderen Bewusstseinsarten werden vom Alaya-Bewusstsein genährt, das gemeinhin als das achte Bewusstsein bezeichnet wird.

Der historische Buddha lehrte das Konzept des Alaya-Bewusstsein nicht explizit, da es eine spätere Entwicklung im Mahayana-Buddhismus war (ca. 4.-5. Jahrhundert n. Chr.). Allerdings behandelte er die Frage der karmischen Kontinuität ohne ein permanentes Selbst. 

Alaya-vijnana – Das Grundbewusstsein

„Alaya Vijnana“ wird oft übersetzt als „Speicherbewusstsein“, „Grundbewusstsein“ oder „Lagerbewusstsein“. Es ist eines der tiefgründigsten und komplexesten Konzepte des Mahayana-Buddhismus.

Der historische Buddha lehrte das Konzept des Alaya-Bewusstsein nicht explizit, da es eine spätere Entwicklung im Mahayana-Buddhismus war (ca. 4.-5. Jahrhundert u.Z.). Allerdings behandelte er die Frage der karmischen Kontinuität ohne ein permanentes Selbst. 

Betrachten wir die grundlegenden buddhistischen Lehren.

Anatta (das Konzept des Nicht-Selbst)

Es gibt kein permanentes, unveränderliches, unabhängiges Seelenwesen oder „Ich“ (im Gegensatz zum hinduistischen Atman-Konzept). Was wir „Ich“ nennen, ist eine vorübergehende Sammlung sich immerzu verändernder physischer und geistiger Komponenten (die Fünf Skandas).

Karma und Wiedergeburt

Beabsichtigte Handlungen (Karma) haben Konsequenzen, die in zukünftigen Leben reifen können, was eine gewisse Form von Kontinuität zwischen den Leben impliziert. Wenn es kein permanentes Seelenwesen gibt, was ist es dann, das die karmischen Samen von einem Leben zum nächsten trägt?

Dies ist das Paradox, das durch das Konzept des Alaya-Bewusstseins gelöst wird. Es bietet einen Mechanismus für karmische Kontinuität und Wiedergeburt, ohne das Prinzip von Nicht-Ich (Anatta) zu verletzen.

Der Buddha weigerte sich oft, bestimmte metaphysische Fragen zu beantworten, darunter auch die Frage, ob das Selbst ewig oder nicht ewig, endlich oder unendlich ist usw. Er hielt solche Fragen für unfruchtbar in Bezug auf Erleuchtung und Befreiung vom Leiden.

Um zu illustrieren, dass es keine permanenten Seelenwesen gibt, verglich der Buddha die Wiedergeburt mit einer Flamme, die von einer Kerze zur nächsten weitergegeben wird. Genau wie die Flamme der zweiten Kerze nicht genau dieselbe ist wie die der ersten, ist die Kontinuität in der Wiedergeburt weder dasselbe Selbst noch ein völlig anderes.


Was ist das Alaya-Bewusstsein?

Jeder Stern repräsentiert eine Sammlung deiner Gedanken, Worte, Taten, Erfahrungen, Gewohnheiten, Tendenzen, Erinnerungen und der latenten Eindrücke (vasanas) aus unzähligen früheren Leben. Nicht nur die bedeutenden Ereignisse, auch die subtilsten Gewohnheiten, Vorlieben, Ängste und Talente sind darin gespeichert.

Was ist das Alaya-Bewusstsein?

Das Alaya-Bewusstsein wird oft „Speicherbewusstsein“ genannt, weil es alle Samen unserer vergangenen Handlungen, Gedanken und Erfahrungen enthält. Es ist nicht der alltägliche denkende, fühlende oder wahrnehmend Verstand. Es ist ein riesiges Archiv, wie ein endloses Universum, in dem karmische Prägungen gespeichert sind, die sich unter passenden Bedingungen erneut manifestieren können.

Obwohl es als das achte gezählt wird, gilt es als das Fundament für die sieben anderen Bewusstseinsarten.

Es heißt, dieses Grundbewusstsein sei durch den anfangslosen Prozess von Karma und mentaler Konditionierung entstanden. Es ist nicht so, dass etwas oder jemand es zu einem bestimmten Zeitpunkt geschaffen hat; es ist ein zeitloses Kontinuum.

Alaya als „universeller Speicher“

Stell dir vor, du schaust in einer klaren Nacht zum Sternenhimmel hoch und siehst die Sterne in ihrem ganz eigenen Tanz funkeln – sie werden geboren, wachsen, altern und verblassen wieder, alles in einem endlosen Kreislauf. Es ist, als würdest du in das Alaya-Bewusstsein blicken, das sich im Moment wie dein eigenes anfühlt. Jeder Stern repräsentiert eine Sammlung deiner Gedanken, Worte, Taten, Erfahrungen, Gewohnheiten, Tendenzen, Erinnerungen und der latenten Eindrücke aus unzähligen früheren Leben. Nicht nur die bedeutenden Ereignisse, auch die subtilsten Gewohnheiten, Vorlieben, Ängste und Talente sind darin gespeichert. Es sind die Samen für deine zukünftigen Erfahrungen und Potenziale. Alles, was du je warst, gestaltet den sternklaren Nachthimmel und neue Sterne werden ohne Ende geschaffen.

Alaya als „Basis der Kontinuität“

Es ist der subtile Faden der Kontinuität, der von einem Leben zum nächsten fließt. Wenn dein physischer Körper und seine sieben Bewusstseinsarten vergehen, vergeht das Alaya-Bewusstsein mit all seinen karmischen Samen nicht. Es stirbt nie. Es ist das Bewusstseins-Kontinuum, das von einem Leben ins nächste übergeht. Es ist ein „codiertes“ Energiefeld, das weiterfließt, bis ein anderer Körper aus dem gespeicherten karmischen Code Gestalt annimmt. Das ist der karmische Bauplan für das nächste Leben.

Dieser karmische Bauplan manifestiert sich als fünf dynamische, sich gegenseitig beeinflussende Prozesse, die der Buddha und seine Schüler Jahrhunderte vor der Formulierung des Alaya-Bewusstseins erklärten. Zusammen bilden sie das geistige Konglomerat, das wir kollektiv als „Ich“ bezeichnen.

Der Buddha nannte diese Sammlung von Prozessen die Fünf Skandas. Sie heißen: Form oder Materie, Gefühl oder Empfindung, Wahrnehmung oder Erkennung, Geistige Formationen, Tendenzen oder willensmäßige Aktivitäten, Bewusstsein.

Diese Analyse Buddhas war äußerst radikal. Er identifizierte kein Seelenwesen, keine Essenz und kein permanentes Selbst, sondern zeigte stattdessen einen Spiegel unserer Erfahrungen. Darin offenbaren sich fünf dynamische, von einander abhängige Prozesse, die wir fälschlicherweise mit „Ich”, „mein“ oder „mich“ betiteln.

Gemäß der buddhistischen Lehre bilden diese fünf Anhäufungen die Grundlage von Geburt und Tod, und ihre Wiedermanifestation wird vom Alaya-Bewusstsein entsprechend einem ungenannten Bauplan verursacht.

Alaya als „Grundlage für alle anderen Bewusstseinsarten“

Wie in der Einleitung erwähnt, unterscheidet man im Buddhismus acht Arten von Bewusstsein. Die ersten fünf Arten basieren auf den Sinneswahrnehmungen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Berühren). Die sechste ist das konzeptuelle Geistesbewusstsein (Denken, Planen, Vorstellen). Die siebte ist der „geplagte“ Geist, der ständig die Illusion eines getrennten „Selbst“ schafft, indem er das Alaya-Bewusstsein als sein „Ich“ missversteht.

Nehmen wir als Beispiel einen Computer. Das Alaya-Bewusstsein entspricht der Festplatte und dem Betriebssystem – der grundlegenden Speicher- und Verarbeitungsplattform. Die anderen sieben Bewusstseinsarten entsprechen den Anwendungen (Webbrowser, Textverarbeitungsprogramm, Spiele). Diese Anwendungen brauchen das Betriebssystem und die Festplatte als Basis, um zu funktionieren, sie lesen und schreiben ständig Daten auf die Festplatte (Samen säen). Das Betriebssystem selbst hat eine grundlegende Funktion, die fälschlicherweise glaubt, es sei der ganze Computer. Dieses Bewusstsein ist Manas, der „geplagte“ Geist, das Ich-Bewusstsein.

Alaya als „neutral, aber geprägt“

Das Alaya-Bewusstsein selbst ist neutral – weder aus sich selbst heraus gut noch schlecht. Es fungiert nur als Lagerhaus. Seine Inhalte, allerdings, können heilsam (zu Glück führend), unheilsam (zu Leiden führend) oder neutral sein. Sie werden von unseren Handlungen gefärbt.

Alaya als „Permanente Aktivität“. Das Alaya-Bewusstsein ist nie wirklich abwesend. Selbst im traumlosen Tiefschlaf, unter Narkose oder in der Meditation, wenn der oberflächliche Geist still ist, hält es die Körperfunktionen aufrecht – Herz- und Lunge funktionieren weiter – speichert Eindrücke und lässt Samen heranreifen.


Wie funktioniert das Alaya-Bewusstsein tatsächlich?

Jede Aktion, die man vollbringt (mit dem Körper, der Sprache oder dem Denken), jede Erfahrung, die man hat, hinterlässt einen Eindruck und „parfümiert“das Alaya-Bewusstsein.

Wie funktioniert das Alaya-Bewusstsein tatsächlich?

Hier wird das Konzept des Alaya-Bewusstseins besonders interessant. Um zu veranschaulichen, wie es funktioniert, verwenden wir die „Samenkorn“-Metapher. Jedes Samenkorn steht für einen Gedanken, ein Wort oder eine Handlung, die man jeden Moment, 24/7, im Laufe des ganzen Lebens ausführt.

Der Prozess ist dynamisch.

Samen pflanzen (Parfümieren)

Jede Aktion, die man vollbringt (mit dem Körper, der Sprache oder dem Denken), jede Erfahrung, die man hat, hinterlässt einen Eindruck und „parfümiert“ das Alaya-Bewusstsein. So wird ein Samen gepflanzt.

Beispiele
Du übst fleißig Klavier. Diese Handlung „parfümiert“ dein Alaya und pflanzt einen Samen für musikalische Fähigkeiten.

Man schreit jemanden aus Wut an. Dies pflanzt einen Samen für zukünftige Konflikte oder Leiden.

Man fühlt einen subtilen Stich von Eifersucht, wenn man jemandes Erfolg sieht. Selbst wenn man nicht handelt, pflanzt allein der geistige Impuls einen Samen für Alaya für zukünftige Tendenzen zur Eifersucht.

Oder du warst in einem früheren Leben ein Schmied. Die intensive Konzentration, die Fähigkeit, mit Metall umzugehen und die körperliche Anstrengung – all dies pflanzte in deinem Alaya-Bewusstsein starke Tendenzen für Handwerkskunst und Arbeiten mit den Händen.

Reifung der Samen

Wenn die Bedingungen stimmen, werden diese Samen reif und zeigen sich mithilfe der anderen sieben Bewusstseinszustände als Erfahrungen im jetzigen Leben.

Zum Beispiel, wenn du letzte Woche wütend geworden bist (der Samen wurde gesät), kann das dazu führen, dass du heute total ausrastest, wenn dich jemand im Verkehr schneidet. Der Samen der Wut wächst weiter und wird durch den aktuellen Auslöser noch stärker.

Analog wird eine Gelegenheit, in einem Tierheim zu helfen, mit erstaunlicher Leichtigkeit und einer seltsamen Vertrautheit angenommen. Der Same aus einem früheren Leben, in dem man sich um Tiere gekümmert hat, geht auf. Dieses natürliche Talent fühlt sich wie „angeboren“ an, denn es ist im Alaya gespeichert.

Den Kreislauf am Laufen halten

Die Erfahrungen, die durch reifende Samen entstehen, werden zu neuen Handlungen, die neue Samen im Alaya pflanzen. Das führt zu einer ständigen Feedbackschleife. Wenn Samen reifen, entstehen Erfahrungen. Daraus ergeben sich neue Handlungen und neue Samen werden gepflanzt. Wenn diese reifen, entstehen neue Erfahrungen..

Das ist die Bewegung von Samsara, dem Kreislauf unseres Daseins. Der Buddha hat das in seiner Darstellung vom Lebensrad und in seiner Abhandlung über das abhängige bedingte Entstehen, das universelle Gesetz von Ursache und Wirkung, beschrieben.

Er fasste es mit der berühmten einfachen Formel zusammen.

Wenn dies ist, dann ist jenes. Dieses entsteht, jenes entsteht. Wenn dies nicht ist, dann ist jenes nicht. Dieses hört auf, jenes hört auf.“

Kontemplation

Dieser Weg handelt nicht von schnellen Antworten. Es geht darum, langsam, sanft, das Licht der Achtsamkeit nach innen zu wenden, bis sich das Alaya selbst auflöst und allein der wahre Geist existiert.

Kontemplation

Beobachte die Samen in deinem Gedankenfluss. Wenn zum Beispiel Wut aufkommt, frag dich: „Bin das wirklich ich? Oder ist es ein alter Samen, der reift und wahrgenommen werden will?“

Betrachte die Konstanz in deinem Leben. Warum fühlen sich bestimmte Ängste, Talente oder Muster wie „angeboren“ an? In diesen Momenten hörst du das Flüstern von Alaya.

Hinterfrage das „Ich“, das sich festklammert. Wenn du sagst „Ich habe Angst“ oder „Ich bin talentiert“, halte inne. Wer spricht da? Ist es das siebte Bewusstsein, welches das Alaya-Bewusstsein mit dem Ich verwechselt?

Die fundamentale Wahrheit ist die: Das Wahre Bewusstsein ist in deinen Augen bereits gegenwärtig. Der Staub entsteht durch den Widerstand, dies anzuerkennen. Jeder Versuch, sich eine Identität anzueignen, die eigene Story zu verteidigen, die Angst vor Vernichtung, ist der Atem von Alaya.

Jeder Moment bedingungsloser Gegenwart und Loslassens ohne Vorbehalt ist das Wirken des wahren Bewusstseins, das sich selbst erkennt.

Buddhas sind nicht „über das Alayabewusstsein hinausgegangen“, als ob sie einen Raum verlassen hätten; sie haben vielmehr erkannt, dass der Raum nie wirklich war. Sie haben aufgehört, das Bild im Spiegel für das ursprüngliche Gesicht zu halten.

Der Staub legt sich nie wirklich, bis man aufhört, den Spiegel zu polieren und ihn stattdessen einfach sein lässt. In dieser Stille löst sich das, was du für dein Selbst gehalten hast, in dem auf, was du schon immer warst.

Dieser Weg handelt nicht von schnellen Antworten. Es geht darum, langsam, sanft, das Licht der Achtsamkeit nach innen zu wenden, bis sich das Alaya selbst auflöst und allein der wahre Geist existiert.

Alaya vijnana
Alaya-vijnana

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