Shikantaza oder Nur-sitzen

Jahreswechsel 2025/2926

Shikantaza oder Nur-sitzen – Immer wenn ein Jahreswechsel bevorsteht, wünschen wir uns gegenseitig alles Gute in der mehr oder weniger ausgesprochenen Hoffnung, dass im neuen Jahr alles besser wird. Gleichzeitig fasst man alle möglichen guten Vorsätze, um sich und die Welt zu verbessern. Dazu gehört für viele auch der Vorsatz, im neuen Jahr regelmäßiger oder häufiger zu meditieren.

Doch wie es so ist, gehen die guten Vorsätze bald in der Routine des fortschreitenden Jahres unter, sodass man irgendwann frustriert feststellt, dass „wieder nichts daraus geworden ist“ oder dass man die Vorsätze einfach vergisst. Die Frustration wird nicht selten begleitet von Enttäuschung oder gar einem Gefühl des Versagens aufgrund der eigenen Inkonsequenz. Wir alle kennen dies.

Um diese Fallstricke zu vermeiden, sollte man sich immer wieder darauf besinnen, was das Wesentliche unserer Meditationspraxis ist und was es braucht, um den Teufelskreis von Aufbruch und Abbruch zu vermeiden.

Ruhiges Verweilen – Samatha

Das Wesen der buddhistischen Meditation wird oft umschrieben als „friedvolles Verweilen in der Stille“ oder „Ruhen im reinen Gewahrsein“. In Buddhas Muttersprache Pali lautet das entsprechende Wort Samatha.

„Reines Gewahrsein“ bezieht sich hier nicht auf unsere gewöhnlichen Sinneswahrnehmungen der Außenwelt. Es ist das wortlose und völlig passive Betrachten aller Vorgänge, die sich im Bewusstsein des Meditierenden zeigen – bloßes Schauen, ohne Kommentar, ohne Urteil, ohne Besitzergreifung, ohne mentale Einmischung. Und „Stille“ bedeutet nicht bloss Abwesenheit von Geräuschen. Es ist die Stille, die sich zeigt, wenn sich alle mentalen Wellen – Gedanken, Emotionen, Erinnerungen usw. – gelegt haben.

Das Wort Samatha steht für die Praxis der inneren Sammlung, die darauf abzielt, die Aufmerksamkeit über längere Zeit auf die Wahrnehmung eines Objekts zu richten. Dabei schaut das Bewusstsein wie in einen Spiegel und sieht sich selbst. Und so, wie ein Spiegel die Dinge, die er spiegelt, nicht manipuliert und so zeigt, wie sie sind, verweilt der Geist des Meditierenden in Ruhe beim bloßen Schauen.

Die Spiegelung der Dinge wie sie sind ist die natürliche Eigenschaft unseres Geistes. Doch wir Menschen werden von den wechselhaften Eindrücken der Sinneswelt beherrscht. Ein Gedanke folgt dem nächsten. Die klare Sicht wird von den mentalen Interpretationen verzerrt. Deshalb ist es nötig, dass wir unsere natürliche Fähigkeit des Innehaltens und bloßen Schauens bewusst kultivieren.

Viele Menschen haben es erlebt und bezeugt: Durch regelmäßige, mit Verständnis praktizierte Achtsamkeitsmeditation entwickelt sich mit der Zeit die unserem Geist innewohnende wache Präsenz und Klarheit, die wie ein helles Licht in immer tiefere Bewusstseinsstufen „hineinleuchten“ kann. Es ist dieses Licht, das es uns Menschen ermöglicht, Einsichten und Erkenntnisse in Bezug auf unser Verhalten und unsere wahre Natur zu erhalten.

Den geistigen Boden pflegen

Damit dies geschehen kann, das heißt, damit unser Gemütszustand zunehmend stabil und ruhig wird und die Aufmerksamkeit nicht mehr so leicht abgelenkt wird, bedarf es einer anhaltenden Bemühung, Geduld und Ausdauer. Eile und Ungeduld helfen auf diesem Weg nicht weiter. Im Gegenteil. Es ist wie Meister Hakuin sagt: „Je schneller man vorwärts eilt, desto langsamer kommt man voran.“ (Lied der Meditation, Zazen Wasan)

Viel hilfreicher ist es, wenn Zweifel, Selbstkritik oder Furcht auftauchen, sie, wie alle anderen Gemütsbewegungen, zur Kenntnis zu nehmen und mit dem nächsten sanften Atemzug freizugeben. Es geht nicht darum, etwas zu „können“, zu „beherrschen“ oder zu „wissen“. Im Gegenteil: Jeder Atemzug, jede Meditationsperiode, jeder Tag ist immer neu.

Wir sollten dem inneren Abenteuer der Wandlung von Herz und Geist mit Offenheit und Vertrauen begegnen. Der innere Weg kennt kein Ende.

Regelmäßiges Sitzen in der Stille und achtsames Beobachten, was sich im Inneren abspielt, gleicht der Arbeit eines Bauern. Unsere Arbeit besteht darin, den Boden für die Samen zu pflegen, zu lockern und möglichst gesund zu halten.

Geistige Samen, die man heute pflanzt, mögen lange im Unbewussten (Alaya-Bewusstsein) ruhen und reifen. Wenn sie zarte Triebe bilden, bleiben diese oft unbemerkt oder sind nur für das geübte Auge sichtbar. Es ist nicht nötig, ihr Wachstum mit Gewalt voranzutreiben. Sie finden ihren Weg ans Tageslicht selber und sind oft stark genug, auch harte Böden zu durchdringen.

Die verschiedenen Meditationsschulen von Indien, Tibet und China haben verschiedene Methoden entwickelt, um die Samen von Geistesruhe und Weisheit zur Blüte zu bringen. Sie alle fördern die natürliche Kraft unseres Geistes durch Achtsamkeit und Einsicht in die Wesensnatur aller Dinge, innere Freiheit, Liebe und Weisheit zu realisieren – nicht in einer fernen Zukunft, sondern hier und jetzt in unserem alltäglichen Leben.

Shikantaza

In der Zen-Tradition verwendet man für die meditative Sammlung des Geistes in der Stille die chino-japanischen Begriffe Shikantaza oder Zazen.

Während Zazen schlicht „Sitzmeditation“ bedeutet – (za = sitzen, zen = Meditation) – betont der Begriff Shikantaza den radikalen Charakter dieser Meditationsform von nur sitzen.

Wörtlich bedeutet Shikantaza: Nur (shika) (sitzen) (za). Das nur „Nur“ ist hier nicht negativ zu verstehen, sondern im Sinne von „ausschliesslich“, „nichts anderes als“ oder „rein“. Dies wird durch die Silbe ta betont.

Shikantaza ist nicht dasselbe wie das bloße Sitzen auf einem Stuhl oder Sofa, an einem Tisch um zu essen, arbeiten, zu ruhen, usw. „Nur sitzen“ ist ein bewusster Akt, eine Tätigkeit in sich selbst, vollzogen mit ganzer Hingabe von Körper und Geist. Es ist, als ob das ganze Universum in diesem Sitzen eingeschlossen ist.

Viele Leute denken, Sitzmeditation müsse eine Art Kampf gegen sich selbst oder eine Art Überlebenstraining sein. Erst wenn man diesen Kampf gewonnen und alles überstanden habe, falle einem die Erleuchtung sozusagen als Belohnung von oben herab zu. Aber das ist falsch.

Lasst uns das Wesen von Shikantaza etwas genauer betrachten.

Der Geist von Shikantaza

Weder Absicht noch Gewinn

Ich denke, wir alle kennen die mehr oder weniger versteckten Erwartungen und Hoffnungen, durch Meditation etwas zu werden – gelassener, zufriedener, konzentrierter, friedlicher – und in der Zukunft so etwas wie „Erleuchtung“ zu erleben.

Und ich denke, die meisten von uns kennen die mehr oder weniger versteckten Enttäuschungen, Zweifel und Selbstvorwürfe, die sich im Gemüt breitmachen, wenn diese Wünsche nicht in Erfüllung gehen.

Die Praxis von Shikantaza besteht im reinen Dasein, ohne Erwartungen und ohne Streben nach Verbesserung des eigenen Ichs oder der Welt.

Können/wollen wir die Sucht nach Gewinn ablegen und wirklich „nur sitzen“? …

Ja, wir könnten. Denn unsere wahre Natur ist frei von gewinnorientiertem Denken und Wollen. Ob wir auch bereit sind, auf Zweck und Gewinn zu verzichten, ist allerdings eine andere Sache, nicht wahr?

Ohne Gegenstand

Shikantaza ist gegenstandslos. Es ist eine Meditationsmethode, bei der man sich nicht absichtlich auf ein bestimmtes Objekt konzentriert – man zählt keine Atemzüge, wiederholt kein Mantra, visualisiert keine Gottheiten, beschäftigt sich nicht mit Koans und versucht nicht, Probleme zu lösen.

Wenn mentale Objekte, wie Gedanken, Bilder, Erinnerungen usw. auftauchen – was natürlicherweise vor allem am Anfang sehr häufig ist – lässt man diese einfach vorbeiziehen, ohne sich einzumischen oder sie festzuhalten. So verschwinden sie mit der Zeit von selbst. Man ruht in sich selbst, im formlosen Gewahrsein.

Die Praxis der gegenstandslosen Meditation ist für uns gewöhnliche Menschen wohl eine der am schwierigsten zu verstehenden Praktiken. Leben wir doch in der Welt der Formen und Gegenstände. Wir identifizieren uns mit unserer Körperform, unseren Besitztümern und Bewusstseinsinhalten in Form von Gedanken, Gefühlen usw. All das bin „Ich“. Ohne die Gegenstände, die mich ausmachen, bin ich nichts!

Echtes Shikantaza ist die vollständige – aber immer nur temporäre – Demontage unseres selbstzentrierten, zielgerichteten Wollens und Begehrens.

Ohne Zweiheit

Normalerweise fühlt es sich für uns so an, als ob „Ich mich in meinem Körper befinde und nach außen in die Welt hinaus schaue, nicht wahr? Wir unterscheiden zwischen Innen und Außen, Ich und Andere, Körper und Geist. Jeder hält sich selbst für ein separates Einzelwesen, eingesperrt in seinem Körper mitten in einem Universum, das sich um diesen Körper herum ausbreitet.

Shikantaza löst sämtliche Grenzen zwischen Subjekt und Objekt auf. Es gibt kein „Ich“, das den Atem beobachtet; es gibt einfach nur Atmen, es gibt keinen Geist im Körper, der in die Welt hinausgeht und handelt. Da ist nur Handeln. Es gibt kein Innen und Außen, es gibt einfach nur den einen erfahrbaren Lebensraum.

Ichlose Offenheit

Nichts zu sein, macht nicht nur große Angst, sondern ist schlicht nicht vorstellbar. Es kann passieren, dass man mitten im Sitzen plötzlich das Gefühl hat, vor einem Abgrund zu stehen und instinktiv zurückschreckt. Wenn dies geschieht, mache dir klar, dass dies nur eine Einbildung, ein Gedanke ist. Überzeug dich selbst davon, indem du an ihre Quelle gehst. Gibt es überhaupt eine Quelle? In Wirklichkeit sitzt du noch immer am Boden oder auf einem Stuhl. Wo ist der Abgrund?

Können und wagen wir es, trotz Angst vor dem Kontrollverlust des Ichs unseren Geist groß und weit werden zu lassen, so dass sich alles, was sich darin abspielt, wie in einem Blick zeigt? Ohne Partei zu ergreifen mit Gedanken wie: „Oh, das ist schön, das muss ich mir merken, das will ich behalten“ oder „Oh, das ist schlecht, das will ich nicht. Geh weg!“?

Unser denkender Geist kann das nicht, weil er ans Ego gebunden ist. Und dieses muss sich ja, wie gesagt, immer seiner Existenz vergewissern, indem es sich mit den Objekten identifiziert.

Durch Achtsamkeitsmeditation können wir jedoch lernen, uns von den Gedanken zu lösen. Am besten gelingt dies, wenn man die Gedanken selbst wie traumartige Gebilde betrachtet: Wo ist ihre Wirklichkeit? Was ist ihre Quelle? Gibt es eine Quelle? Haben sie Wirklichkeit?

Auf diese Weise kann man erkennen, dass Gedanken wie die Wolken am Himmel sind. Sie entstehen und vergehen in Abhängigkeit der wechselnden, inneren „Wetterlage“ unseres Gemüts.

Warum sich also an ihnen festhalten? Warum nicht einfach den leeren Himmel betrachten?

Kurz gesagt: Shikantaza beinhaltet nicht anderes, als im Zustand des unkonditionierten Gewahrseins zu sein – hier und jetzt!

Was Shikantaza nicht ist

Halbschlaf

Es ist oft relativ einfach, eine gewisse Zeit träumend auf dem Sitzkissen zu dösen, sich um keine Gedanken und überhaupt nichts zu kümmern. Doch dieses „Nur-sitzen-ohne-etwas-zu-tun“ für Shikantaza zu halten, wäre ein großer Irrtum. Die „Leere“ eines dumpfen, dösenden Geistes hat nichts mit Klarsicht zu tun. Klarsicht setzt dann ein, wenn man merkt, dass man zerstreut und schläfrig ist.

Der Grund für Schläfrigkeit und Trägheit ist oft der, dass man sich zu sehr anstrengt. Vielleicht ist man aber auch einfach müde, weil man nicht genug geschlafen hat. In diesem Fall ist es ratsam, die Augen zu öffnen und die Aufmerksamkeit erneut auf den Atem zu richten. Auch hilft es, die Körperhaltung zu lösen und die Glieder zu strecken.

Träumen

Wir wissen wohl alle aus Erfahrung, wie leicht es ist, sich mit geschlossenen Augen dem ständigen Gedankenfluss zu überlassen und in die innere Traumwelt zu versinken. Doch es wäre ein großer Fehler, dies für „passives Gewahrsein“ oder für das „Nur-sitzen“ von Shikantaza zu halten. Dem ist nicht so.

Denn das träge Betrachten eines selbst produzierten und oft reproduzierten Filmes über sich selbst ist weit entfernt von der Losgelöstheit und Freiheit des ursprünglichen Geistes.

Auch wenn man eine Weile die Umgebung, die Zeit und sich selbst vergessen hat und beim Klang der Glocke oder eines anderen Geräusches erschrocken „aufwacht“ – und für kurze Zeit vielleicht nicht einmal weiß, wer und wo man ist – ist das kein Zeichen, dass man in „Nichts-Tun“ von Shikantaza versunken war.

Shikantaza versetzt den Geist weder in einen dumpfen Zustand noch in die Dunkelheit der Unwissenheit. Im Gegenteil, es äußert sich als klare, bedingungslose geistige Präsenz.

Weder in die innere noch in die äußere Objektwelt fallen

Wir kennen wohl alle die Gewohnheit, mit geschlossenen Augen zu meditieren. Man will damit wohl vermeiden, von den Objekten und Bewegungen in der Außenwelt in Beschlag genommen zu werden. Diese Gewohnheit verleitet dazu, sich in der inneren Traumwelt zu verlieren.

Um diese Extreme zu vermeiden, ist es ratsam, die Augen nie ganz zu schließen. Es ist dann so, als ob man auf dem scharfen Grat zwischen zwei Abgründen sitzt und aufpassen muss, nicht auf die eine Seite (innere Objektwelt) oder die andere Seite (äußere Objektwelt) zu fallen.

Dies erfordert höchste Achtsamkeit und Wachheit (Gewahrsein).

Die meisten Darstellungen vom meditierenden Buddha zeigen ihn deshalb mit halboffenen bzw. halbgeschlossenen Augen.

Diese Technik ist für die meisten Beginner ungewohnt. Man muss zuerst lernen, die Entspannung des Geistes sanft auf die Augenlider zu übertragen – oder umgekehrt – damit sich auch die Körperspannungen lösen. Dies beiden Entspannungen gehen Hand in Hand. Entspannt sich der Geist, entspannt sich der Körper und umgekehrt. Oder um es mit den Worten aus dem Shinjinmei (Vertrauen in den Geist) zu sagen:

Wenn das Auge niemals schläft, vergehen alle Träume von alleine. Wenn es kein unterscheidendes Denken gibt, sieht man die Einheit aller Daseinsformen. Die wesenhafte Einheit zu erfassen bedeutet, von allen Verstrickungen befreit zu sein.

In diesen Worten ist die Quintessenz von echtem Shikantaza ausgedrückt.

Der Wunsch nach Erleuchtung

Auch wenn wir x-mal hören oder lesen, dass wahre Meditation ohne Ziel, Zweck, Gewinn und alle bekannten Zweiheiten ist, haben wir (heimlich) doch ein Ziel, erwarten wir (versteckt) doch einen Gewinn, nicht wahr?

Denn sitzen wir nicht oft in Meditation mit der Erwartung, dass sich irgendwann plötzlich eine Erleuchtung oder eine umwerfende Erkenntnis ereignet, so dass man ein für allemal glücklich und alle Sorgen los wird? Wird uns nicht genau das buddhistischen Kursen, Büchern und Lehrreden versprochen, wenn gesagt wird, jeder Mensch trage die Buddha-Natur in sich? Ist es denn falsch, auch ein Buddha werden zu wollen oder wenigstens ein wenig so, wie man sich das vorstellt? Wozu sollte man sonst meditieren?

Nun, an diesem Wunsch ist absolut nichts falsch. Was falsch ist, sind unsere Vorstellungen von Erleuchtung und Buddhaschaft. Erleuchtung ist kein Ereignis, kein Endprodukt einer bestimmten Fabrikation. Es ist die Erkenntnis, dass man bereits Buddha ist.

Die allen Lebewesen innewohnende Buddha-Natur ist nichts anderes als unsere ursprüngliche Natur, in der wir leben und die uns belebt. Der erkennende, erwachte Geist, der Buddha-Geist, ist also nichts, was man werden kann. Man kann ihn nur durch richtige Sichtweise und richtiges Handeln realisieren. So wie es im Edlen Achtfachen Pfad beschrieben ist.

Weil dem so ist, sieht die traditionelle Zen-Lehre in der Praxis von wahrhaftigem Shikantaza – dem Sitzen ohne Absicht, Zweck und Ego-Aktivität – allein schon die Buddhaschaft.

Sein statt Werden

Dieses Verständnis von Buddha und Buddhanatur findet im Lied von der Meditation von Hakuin Zenji einen deutlichen und klaren Ausdruck. Dort heißt es:

Die Lebewesen sind im Grunde alle Buddha, es ist wie bei Eis und Wasser. Wo könnten wir Buddha finden außerhalb der Lebewesen? … Dieser Körper ist der Körper Buddhas, dieser Ort ist das reine Buddha-Land.

Können/wollen wir im Vertrauen in unser wahres Wesen dieses Wissen in uns selbst wachrufen und bestätigen: Dieser, mein gegenwärtiger Körper, ist der Körper Buddhas, dieser Ort, an dem ich sitze, stehe, gehe, liege, ist das reine Buddha-Land?

Oder um es anders zu sagen: Können/wollen wir den Weg gehen, der unser Leben aus dem Zustand von Verwirrung, Angst und Unwissenheit in einen andauernden Prozess zunehmender Einsicht, Weisheit und Empathie führt?

Praxis

Shikantaza – nur sitzen – ist eine Meditationsform, die das friedvolle Ruhen im klaren Geist betont. Der Praktizierende sitzt mit aufrechtem Körper in einer stabilen und entspannten Position auf einer festen Unterlage (Sitzkissen oder Stuhl). Die Aufmerksamkeit wird sanft auf den Atem gerichtet, ohne aber den Atem irgendwie zu manipulieren oder die Atemzüge zu zählen. Man schaut und hört einfach nach innen und spürt die Bewegung des Atems.

Indem man in dieser wachen aber entspannten Geisteshaltung verbleibt, ist es, als fielen Körper und Geist mit der Zeit weg – man vergisst sich selbst und die Umgebung. Es bleibt nur die Präsenz im grenzenlosen Raum des Gewahrseins.

Für uns, die wir gewöhnlich in einem nach außen gerichteten, verzettelten Gemütszustand leben, braucht es eine engagierte, regelmäßige und konsequente Übung, damit die mentalen Bewegungen – Gedanken, Emotionen, Erinnerungen usw. – zur Ruhe kommen. Wenn dies geschieht, und sei es nur für einen kurzen Augenblick, spürt man es. I

Diese Erfahrung ist – selbst wenn sie nur für einen Bruchteil einer Sekunde unser Herz-Geist erfreut – ein lebendiger Beweis, dass es tatsächlich möglich ist, den von Buddha und anderen weisen Menschen beschriebenen Weg zu gehen und sich von Sorgen und Ängsten zu befreien.

Auf dieser Zuversicht aufbauend kann man immer wieder neu anfangen und die Praxis mehr und mehr vertiefen und in den Alltag integrieren.

Fazit

Durch regelmäßige, konsequente Praxis des friedvollen Verweilens in der Stille, Shikantaza, offenbart sich mit der Zeit die unverdorbene Qualität unseres ursprünglichen Geistes. Es ist die Fähigkeit, die Dinge der Welt so zu sehen, wie sie sind.

Jetzt geht es nur darum, dies nicht bloß zu lesen, sondern in die Tat umzusetzen.

Shikantaza oder Nur-sitzen

Shikantaza oder Nur-sitzen

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